Inside: Endesa
La Caixa hat den Schlüssel

In nur wenigen Wochen hat sich das Szenario im Übernahmekampf um den größten spanischen Versorger Endesa drastisch verändert: Eon kann sich wieder gute Chancen ausrechnen. Zu verdanken haben die Deutschen das vor allem der größten Sparkasse des Landes, La Caixa, der die Lust am Streit um die in Madrid ansässige Endesa vergangen ist.

MADRID. Der katalonische Finanzdienstleister spielt die Schlüsselrolle in dem schon vier Monate wogenden Übernahmekampf. Die Sparkasse hält mehr Beteiligungen an spanischen Industrieunternehmen als jeder andere Wettbewerber, darunter 35 Prozent an dem katalanischen Versorger Gas Natural, dem zweiten Bieter bei Endesa. Dort verfolgte La Caixa-Präsident Ricard Fornesa regionalpolitische Interessen: Er drängte zur Übernahme Endesas, um Katalonien, das unter der Abwanderung von Industrien leidet, gegenüber Madrid aufzuwerten. Sitz des neuen Unternehmens sollte Barcelona sein. Unterstützung aus Madrid – speziell vom sozialistischen Industrieminister José Montilla – und Barcelona war ihm sicher.

Als Eon am 21. Februar ein Gegenangebot lancierte, sah es deswegen zunächst so aus, als hätten sich die Deutschen ohne Erfolgschance in ein politisches Wespennest gesetzt. Inzwischen hat sich alles geändert. Wegen des enormen Drucks aus Brüssel ist der bedingungslose Rückhalt der Sozialisten für das Vorhaben von Gaz Natural geschwunden. Und Endesa-Präsident Manuel Pizarro, der das Angebot des Gasversorgers von 21,3 Euro pro Aktie sofort im September 2005 als „feindlich und lächerlich günstig“ abgelehnt hatte, ist nicht bereit, mit La Caixa über einen besseren Preis zu verhandeln.

Hinzu kommt, dass das spanische Hohe Gericht Endesas Übernahme durch Gas Natural im Mai ausgesetzt hat. Nach seiner Meinung hätte sich Premier José Luis Rodríguez Zapatero im Februar nicht über die Ablehnung der nationalen Wettbewerbsbehörde TDC hinwegsetzen und der Übernahme zustimmen dürfen. TDC hatte argumentiert, dass eine Fusion von Gas Natural und Endesa zur Konzentration im Markt führen würde.

Damit ist die Lage so aussichtslos, dass sich La Caixa und der aus Katalonien stammende Montilla neuen Plänen zuwenden. Montilla wird wahrscheinlich Kataloniens neuer Präsident. Und La Caixa hat Ende Mai maßgeblich dafür gesorgt, dass sich der katalanische Autobahnbetreiber Abertis mit dem italienischen Wettbewerber Autostrade zusammentut – Sitz des neuen Riesen: Barcelona.

Danach bleibt für La Caixa in Sachen Endesa eigentlich nur noch die Alternative, mit Eon zu verhandeln oder sich ganz aus der Übernahme zurück zu ziehen. Eon hat bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Vor einer Einigung muss Gas Natural allerdings nach spanischem Übernahmegesetz das noch gültige Angebot zurückziehen. Die deutsche Eon wartet derzeit noch darauf, dass die nationale spanische Energiebehörde CNE ihr Angebot gutheißt. In Spanien rechnet nach den Ereignissen der vergangenen Wochen niemand mehr damit, dass sie ihr Placet verweigert.

Branchenexperten glauben freilich, dass die CNE Eon schon wegen des drohenden Gesichtsverlusts der Regierung Konditionen auferlegen wird. Für La Caixa könnte damit das eine oder andere Stück vom Kuchen abfallen. Auf diese Weise hätte sich auch die Bank elegant aus der Affäre gezogen und sogar noch etwas für Katalonien herausgeholt. Der zähe Kampf um Endesa kann noch zufrieden stellend enden – für alle Seiten.

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