Inside: Eni
Zwei Jahre Stillstand

Italiens Ölkonzern Eni schaut nach Osten: Wie viele Konkurrenten haben es die Italiener auf die riesigen Energie-Ressourcen östlich von Europa abgesehen. So ist auch das Übernahmeangebot zu werten, das Eni für den britischen Konkurrenten Burren Energy vorgelegt hat – mit einem Kauf könnte sich Eni Beteiligungen an den Gasreserven in Turkmenistan sichern.

MAILAND. Nebenbei würden die Italiener auch ihr Geschäft im Kongo ausweiten, wo beide Unternehmen schon heute kooperieren. Das Board von Burren hat das 2,2 Milliarden Euro schwere Angebot zwar Ende September abgelehnt, da es angeblich höhere Offerten gibt. Doch Eni teilte mit, dass das Unternehmen weiterhin interessiert ist.

Ein neues Angebot ist damit nicht ausgeschlossen. Vor allem vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten in Kasachstan wäre Burren Energy eine willkommene Gelegenheit für Eni. Konzernchef Paolo Scaroni war diese Woche in gemeinsamer Mission mit dem italienischen Premierminister Romano Prodi in der ehemaligen Sowjet-Republik unterwegs. Denn in Kasachstan beißen die Italiener, die dort am kaspischen Meer das Konsortium Agip KCO anführen, derzeit auf Granit.

Die kasachische Regierung hat die Arbeiten des Konsortiums im August gestoppt. Offiziell begründet die Regierung den Stopp mit Verletzungen von Umweltbestimmungen. Zudem hat sie sich bereits mehrfach die Projektverzögerungen und Kostenüberschreitungen des Konsortiums beklagt. Erst im August hat Eni den Produktionsbeginn zum zweiten Mal verschoben, diesmal von 2008 auf 2010. Zudem haben sich die Kosten für das Projekt bereits mehr als verdoppelt. Die Regierung erwägt daher saftige Schadensersatzforderungen.

Aber tatsächlich geht es der kasachischen Regierung wohl vor allem darum, die in den 90-er Jahren be-schlossenen Konditionen neu zu verhandeln und eine größere Rolle für den staatlichen, kasachischen Erdölkonzern Kazmunaigaz durchzusetzen. Damit könnte das Land stärker selbst von seinem Rohstoffreichtum profitieren. Bisher hält Kazmunaigaz 8,33 Prozent, Eni 18,52 Prozent. Den Rest teilen sich fünf internationale Ölkonzerne.

Prodi versucht auch im eigenen Interesse für Eni zu vermitteln. Schließlich ist der italienische Staat noch immer mit mehr als einem Drittel an Eni beteiligt. Das Unternehmen ist mit einer Börsenkapitalisierung von 104 Milliarden Euro das wertvollste Italiens. Prodi rief die Mitarbeiter des Konsortiums in Kasachstan zur Eile auf. Scaroni sprach mit Blick auf die Gespräche mit Regierungsvertretern von „Fortschritten“. Die sind auch nötig. Denn unter der Führung Scaronis, der vor zwei Jahren vom ebenfalls teilstaatlichen italienischen Stromkonzern Enel gekommen war, tritt Eni auf der Stelle. Die hohen Ölpreise sind nicht Scaronis Verdienst. Dafür aber bieten Kasachstan und Burren zwei Chancen, sein Können unter Beweis zu stellen.

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