Inside: Ericsson
Kommunikations-Störung

Kommunikation ist Ericssons Geschäft. Ohne die Mobilfunknetze des Weltmarktführers könnten Millionen Menschen weltweit nicht telefonieren, SMS oder E-Mails schicken. Trotzdem steht der Konzern mit der eigenen Kommunikation auf Kriegsfuß. Seit Wochen folgt eine Hiobsbotschaft der nächsten.

STOCKHOLM. Der einstige schwedische Vorzeigekonzern droht sich selbst zu demontieren. Binnen acht Wochen hat sich der Börsenwert fast halbiert, das Vertrauen in die Konzernleitung nähert sich dem Nullpunkt. Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg muss jetzt gegensteuern, will er den Branchenführer vor dem Aus bewahren.

Zu Jahresanfang war Ericsson der unbestrittene Branchenprimus bei Mobilfunknetzen. Doch der Konzern hat Marktanteile verloren und ist nur noch viertgrößtes Unternehmen in seinem Heimatland Schweden – nach H&M, Telia Sonera und Nordea. Was ist passiert? Noch im September dieses Jahres hatte Svanberg von einem starken Marktwachstum gesprochen. Nur vier Wochen später und nur neun Tage vor der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal geht Svanberg mit einer völlig überraschenden Gewinnwarnung an die Öffentlichkeit. Nun auf einmal kündigt er einen 36prozentigen Gewinnrutsch gegenüber dem Vorquartal an.

Die Märkte sind schockiert – auch, weil die Ericsson-Führung offensichtlich den eigenen Konzern nicht mehr im Griff hat. Der Finanzchef wird kurz darauf geopfert. Es sollte nur einen weiteren Monat dauern und Ericsson-Chef Svanberg versteckt auf Seite 26 des Informationsmaterials für eine Analystenkonferenz in New York eine Präzisierung der Umsatzprognose. Erneut gibt der Aktienkurs um zehn Prozent nach. Die Warnungen begründet der Ericsson-Chef mit einer schwächeren Nachfrage nach Aufrüstung und Modernisierung von GSM-Mobilfunknetzen in Europa und Nordamerika. Daran soll sich vorerst nichts ändern. Keine guten Aussichten also.

Für die Branchenprobleme kann Svanberg nichts. In der Tat halten sich die großen Telekom-Konzerne mit Investitionen in ihre Netze zurück. Ericssons Konkurrenten wie Nokia Siemens Networks und Alcatel Lucent klagen selbst über eine schwierige Marktsituation. Alle leiden außerdem unter dem extrem schwachen Dollar und sehen sich der immer stärker werdenden Konkurrenz durch die chinesischen Netz-Hersteller Huawei und ZTE ausgesetzt.Es gibt aber auch Lichtblicke: Der Datentransfer über Mobilfunknetze steigt rapide an, und bald müssen die Telekom -Gesellschaften ihre Netze weiter aufrüsten, wollen sie nicht Kunden verlieren. Spätestens Ende kommenden Jahres sind Investitionen in die Mobilfunknetze notwendig.

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