Inside: EWE
Begehrte Braut

Zuerst war es EnBW, dann Gaz de France, zuletzt RWE und schon bald dürfte der nächste Interessent auf der Matte stehen. Der der Regionalversorger EWE steht derzeit im Zentrum von vielfältigen Spekulationen. Langfristig kann das Oldenburger Unternehmen nur mit einem starken, finanzkräftigen Partner vorankommen.

DÜSSELDORF. Zwar führt EWE hinter den großen Vier, Eon, RWE, EnBW und Vattenfall mit zuletzt neun Milliarden Euro Umsatz die Gruppe der Verfolger an. Zudem verfügt das Unternehmen in Norddeutschland über einen starken Vertrieb mit einer Million Strom- und 800 000 Gaskunden, ist größter Aktionär bei der Verbundnetz Gas (VNG), der ostdeutschen Ruhrgas, hat seine Fühler nach Polen und die Türkei ausgestreckt und gilt in der Branche als eines der effizientesten Unternehmen. Aber verglichen mit den Branchenriesen ist EWE nur eine regionale Macht. Und wenn sich die Konsolidierung in der Branche fortsetzt, wird sich der Abstand in Zukunft eher noch vergrößern.

EWE benötigt Partner, um sich auf den internationalen Beschaffungsmärkten behaupten zu können. Das weiß Vorstandschef Werner Brinker und ist deshalb für Partnerschaften offen. Das können reine Kooperationen, vielleicht sogar substanzielle Finanzbeteiligungen sein. Eine komplette Übernahme steht dagegen nicht auf der Tagesordnung. Denn das würde den Eigentümern – EWE ist vollständig im Besitz von Landkreisen und Städten aus der Region Weser-Ems-Elbe – doch zu weit gehen.

Bereits vor vier Jahren hatte EWE nach strategischen Investoren gesucht und alternativ auch einen Börsengang geprüft. Denn nach der Fusion von Eon und Ruhrgas fielen deren Beteiligungen am Bremer Versorger SWB und der VNG aus wettbewerbsrechtlichen Gründen an EWE. Gleichzeitig übernahmen die Kommunen den bisher von Eon gehaltenen Anteil an EWE. Bei der Finanzierung der Zukäufe entschied sich die EWE aber schließlich doch für eine Anleihe. Damals wie heute gilt: Ein potenzieller Investor muss die strategische Ausrichtung der EWE mittragen und obendrein einen Mehrwert bieten.

Im Frühjahr schien ein passender Partner ausgeguckt: EnBW – ebenfalls kommunal geprägt und im Gegensatz zur EWE vor allem in Süddeutschland aktiv. Doch nach Gesprächen auf höchster Ebene geriet EnBW in eine Führungskrise. Abgebrochen ist der Kontakt indes nicht.

Jüngst hieß es, RWE greife nach EWE. Obwohl beide Unternehmen sofort scharf dementierten, ist eine Kooperation nicht vom Tisch – auch wenn sie auf starke Bedenken des Kartellamts stößt. Chancenreicher scheint dagegen eine Verbindung mit Gaz de France. EWE könnte den Franzosen ein Aktienpaket anbieten, GdF im Gegenzug den Oldenburgern ihren 5,3-Prozent-Anteil an der VNG überlassen. Lange verhalfen die Kommunen der EWE, die nur 48 Prozent der VNG-Aktien, zur Stimmenmehrheit. Doch in diesem Frühjahr wechselten die Kommunen das Lager und wählten gemeinsam mit den übrigen Aktionären Brinker als Aufsichtsratschef ab.

Die EWE hofft, dass sich die Wogen glätten, wenn VNG-Chef Klaus-Ewald Holst, mit dem Brinker über Kreuz liegt, 2008 in den Ruhestand geht, und setzt auf eine weitere Kooperation mit den VNG-Kommunen. Die nächste Machtprobe steht schon bevor. Im Dezember kürt der VNG-Aufsichtsrat den Holst-Nachfolger. Bis dahin will Brinker das Verhältnis klären.

Mit der GDF könnte er das Problem eleganter lösen – zumindest baut der EWE-Chef mit dem Flirt eine Drohkulisse auf, um die Kommunen zum Einlenken zu bewegen.

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