Inside: Exxon-Mobil
Gute Geschäfte – schlechter Ruf

Das Ende einer Ära bei Exxon-Mobil: Der Chef des größten börsennotierten Ölkonzerns der Welt, Lee Raymond, hat sich auf das Altenteil zurückgezogen und seinen Stuhl für Rex Tillerson geräumt. Der Wechsel lief in bewährter Exxon-Manier ab: Der Neue ist ein Protegé des Alten und hat sich seine Sporen im Hause verdient. Exxon, eine direkte Nachfolgegesellschaft des legendären von John D. Rockefeller gegründeten Ölriesen Standard Oil, macht keine Experimente.

HB DÜSSELDORF. Doch wo steht Exxon heute und was erwartet den neuen Boss? Raymond hat den Konzern seit seinem Antritt 1993 in eine beneidenswerte Position gebracht: Er hat die 86 Mrd. Dollar schwere Übernahme und Integration von Mobil meisterhaft organisiert. Der Börsenwert des Konzerns kletterte von 80 Mrd. Dollar auf 360 Mrd. Dollar. Im Jahr 2004 verdiente das Unternehmen 25 Mrd. Dollar bei über 300 Mrd. Dollar Umsatz. Im laufenden Geschäftsjahr stehen die Chancen gut, dass Exxon diese Marke knackt.

Strategisch wird sich bei dem Ölmulti daher kaum etwas ändern. Im Kern stehen eiserne Ausgabendisziplin, langfristige Planung und technische Innovation. Projekte berechnen die Manager auf Grundlage eines vergleichsweise niedrigen Ölpreisniveaus. Kaum ein Konkurrent verdient seine Kapitalkosten so gut. Man dreht den Dollar eben dreimal um.

Analysten halten die Exxon-Kultur sogar für so stark, dass es eigentlich gar keines Chefs bedürfte – der Konzern gilt als gewaltige Energiemaschine die wahrhaft wie geschmiert läuft. Dennoch: Tillerson wird sich nicht in seinen Sessel zurücklehnen können. Er muss eine Reihe von Problemen angehen, die die gesamte Branche treffen. Der Kampf um Energieressourcen hat sich in dem vergangenen Jahren wieder verstärkt. Ölländer wie Venezuela oder Russland nutzen ihre Öl- und Gasvorkommen als Instrument, um Politik zu machen – auf der betriebswirtschaftlichen Seite steigen daher die Risiken bei Investitionen.

In Zeiten hoher Ölpreise wachsen zudem die Begehrlichkeiten der Förderländer, an der Steuerschraube zu drehen und den börsennotierten Multis immer schlechtere Konditionen für ihre Projekte aufs Auge zu drücken. Exxons Alternativen, die einmal verbrauchten Reserven an Öl und Gas wieder aufzufüllen, sind daher trotz des Einsatzes neuester Technologien begrenzt.

Hinzu kommt ein hausgemachtes Problem: das Image. So gut Exxon sein Geschäft beherrscht, der Konzern dürfte sich auf der Liste der meist gehassten Unternehmen der Welt wiederfinden. Das ist auch ein Verdienst Raymonds, der immer wieder die Trommel gegen eine internationale Klimapolitik gerührt hat. Das ihm nachgesagte, wenig feinfühlige Auftreten hat auch den Ruf des Konzerns in einigen Ölländern ramponiert.

Doch weil Exxon in immer entlegeneren und politisch schwierigen Regionen engagieren muss, sollte sich das Management offener zu den damit verbundenen sozialen und Umweltrisiken stellen. Von der Devise „was dem Geldbeutel gut tut, muss auch gut für die Welt sein“ ist Exxon schon abgerückt. Der Konzern engagiert sich gegen Korruption und lässt in Sachen Klimawandel forschen. Selbst Investoren schauen heute darauf. Denn nur Energiekonzerne, die die schwierige Gradwanderung zwischen Gewinn und globaler Verantwortung meistern, werden auch in Zukunft profitabel sein.

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