Inside: Fiat
Verborgene Werte

Totgesagte leben länger. Nach Jahren der Krise hat der italienische Autokonzern Fiat die Kehrtwende geschafft. Das Unternehmen schreibt wieder Gewinne, die Aktie eilt von einem Hoch zum nächsten. Ein paar Wehmutstropfen gibt es trotz aller Freudenbotschaften dennoch.

MAILAND. Die Krisenzeiten, in denen der amerikanische Konzern General Motors sogar Milliarden auf den Tisch legte, um seine Option, die Fiat-Autosparte zu kaufen, nur nicht ausüben zu müssen, scheinen Ewigkeiten weg. Das neue Modell des Kleinwagens Punto ist ein Renner. Auch der neu aufgelegte Panda und der neue Bravo laufen gut. Und noch in diesem Sommer soll auch der frisch aufgelegte Klassiker Fiat 500 auf den Markt kommen. Dessen Designer Frank Stephenson zeichnete schon für den Mini von BMW verantwortlich. Und der schreibt eine Erfolgsgeschichte.

Trotz aller Freudenbotschaften scheint jedoch auch Fiat-Chef Sergio Marchionne noch nicht ganz davon überzeugt, dass die Autosparte ein Selbstläufer ist. Ursprünglich wollte er die Führung der Fiat-Auto-Sparte noch in diesem Jahr aus der Hand geben und einem seiner Manager übertragen. Doch jüngst kam der Rückzieher: Er werde neben seinem Vorstandsvorsitz für den Gesamtkonzern weiterhin für die Autosparte verantwortlich zeichnen, ließ Marchionne auf der Hauptversammlung wissen. Als Grund nannte er das schwierige Marktumfeld.

Tatsächlich sieht es so aus, als wolle Marchionne vor allem die Kontrolle behalten, um die noch immer schwächelnden Marken unter dem Fiat-Dach auch auf Vordermann zu bringen. Nach seinem Antritt hat der Italo-Kanadier sein Augenmerk zunächst ganz auf die Traditionsmarke Fiat gerichtet - mit Erfolg. Jetzt will er sich verstärk um Lancia und Alfa Romeo kümmern, da gibt es noch einiges zu tun. Die etwas hochwertiger als Fiat angesiedelte Marke Lancia gilt noch immer als unprofitabel, soll aber bis 2010 einen erheblichen Beitrag zum Ergebnis beisteuern. Nach Marchionnes Vorstellung soll sich die Zahl der verkauften Lancia-Fahrzeuge in den nächsten drei Jahren auf 300 000 fast verdreifachen.

Bei der Sportwagenmarke Alfa Romeo sieht die Lage ähnlich aus, auch wenn das Unternehmen offiziell keine Ergebnisse der einzelnen Marken heraus gibt. Die neuen Ziele sind für Alfa nicht weniger ehrgeizig als für Lancia: Die Zahl der verkauf-ten Autos soll sich von 152 000 im vergangenen Jahr bis 2010 fast verdoppeln.

Anscheinend traut der Macher seinen Untergebenen diese Aufgabe nicht allein zu und will lieber selbst die Fäden in der Hand behalten. Vielleicht ist das sogar klug. Schließlich ist der jüngste Erfolg von Fiat direkt mit seiner Person verbunden. Bisher ist alles, was Marchionne anpackte, ein Erfolg geworden.

Es stellt sich jedoch die Frage was folgt der Sanierung aller Automarken? Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Auto-Sparte oder einzelner Marken halten sich hartnäckig. Erst im Januar hat das Unternehmen Vermutungen selbst erneut angeheizt. Zu Jahresbeginn wurden die Marken Fiat, Lancia, Alfa Romeo und die leichten Nutzfahrzeuge in eigenständige Aktiengesellschaften neu gegliedert. Solche Umstrukturierungen reizen die Fantasie.

Bisher schließt Firmenchef Mar-chionne einen Verkauf zwar aus. Aber gleichzeitig lässt er keine Zweifel an seinem obersten Ziel. Alle Aktivitäten des Unternehmens soll der Markt fair und einzeln bewerten können. Und wenn der Markt die Summe aller Teile stärker bewertet als das Ganze, dann könnte ein Anhänger des freien Marktes wie Marchionne durch-aus seine Meinung ändern.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%