Inside: Gas Natural
Noch etwas in der Hinterhand

Vor acht Monaten kannte in Deutschland kaum jemand Gas Natural, einen im europäischen Vergleich eher kleinen Gasdienstleister mit Sitz in Barcelona. Seit das Unternehmen jedoch am 5. September ein feindliches Übernahmeangebot für den größten spanischen Versorger Endesa vorgelegt hat, ist der Name häufiger in der Presse zu lesen.

MADRID. Seit dem 21. Februar, als der Düsseldorfer Eon-Konzern ein Gegenangebot für Endesa präsentierte, sogar fast jeden Tag.

Die Chancen von Gas Natural, bei Endesa zum Zuge zu kommen, sind durch den Vorstoß der Deutschen gewiss gesunken. Und deshalb haben die schlauen Katalanen bestimmt schon einen Plan B in der Hinterhand, auch wenn sie das offiziell nicht zugeben. Denn das Management kann es sich nicht leisten, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Bereits im Februar mokierten sich viele internationale Analysten über das „unprofessionelle Vorgehen“ der Unternehmensspitze und bezeichneten den gebotenen Kaufpreis für Endesa von 21,3 Euro je Aktie als „lächerlich niedrig“. Tatsächlich stieg der Endesa-Kurs innerhalb weniger Wochen bis auf 27 Euro. Das musste wie eine Einladung an einen weißen Ritter wirken,der bereit war, Endesa im Abwehrkampf zu helfen.

Gas Natural aber nahm den Vorstoß der Deutschen zunächst überhaupt nicht ernst, sondern machte sich öffentlich über Eon lustig. Wie könne der Konzern so naiv zu glauben, er könne in Spanien einfach die Politik übergehen, stichelten die Katalanen. Von Hochmut ist in Barcelona derzeit allerdings nicht mehr viel zu spüren. Interne juristische Barrikaden, der wachsende Druck aus Brüssel wie auch der schwindende Rückhalt des spanischen Premier José Luis Rodríguez Zapatero für die im Land stark umstrittene Fusion haben Gas Natural ins Abseits gedrängt. Eons Erfolgsaussichten steigen beinah täglich.

Analysten sind sich jedoch einig, dass die Sparkasse La Caixa, größter Aktionär bei Gas Natural, schon nach Alternativlösungen sucht, falls die EU die nationale spanische Energiebehörde CNE tatsächlich zwingen wird, die Eon-Offerte für Endesa zu akzeptieren. Dieser Plan B könnte so aussehen, dass nach einer Fusion zwischen dem in Barcelona ansässigen Mineralölkonzern Repsol mit dem jahrelangen Alliierten Gas Natural der drittgrößte spanische Versorger Unión Fenosa zum Gegenstand der katalanischen Begierde wird.

Seit langem gilt Unión Fenosa als Übernahmekandidat. Anders als bei der Nummer zwei der Branche, dem baskischen Versorger Iberdrola, gibt es dort nur wenige politischen Hürden. Gas Natural hat diese Option bereits dementiert, und hält – offiziell – an seinem Angebot für Endesa fest.

Noch verhandelt La Caixa mit Endesa, um im letzten Moment zu einer nationalen Lösung zu kommen. Gelingt dies nicht, wird wohl in einigen Wochen Plan B in die Tat umgesetzt. Denn andernfalls wäre der Gesichtsverlust für Gas Natural einfach zu groß.

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