Inside: General Motors
Kerkorians letzte Chance

Für den größte GM-Einzelaktionär Kirk Kerkorian wäre die Fusion von General Motors (GM) und Renault / Nissan in vielfacher Hinsicht ein Gewinn. Doch die Zeichen für eine Mega-Allianz der Autohersteller stehen schlecht. GM-Chef Rick Wagoner steht dem Großaktionär Kerkorian im Weg.

NEW YORK. Die drei Männer kommen im Juni 2006 durch die Hintertür. Sie verabreden sich zum privaten Dinner in Nashville, Tennessee – gut 500 Meilen von Detroit entfernt, der Konzernzentrale des weltgrößten Autokonzerns General Motors (GM). Ihr Schlachtplan scheint genial: Würde Renault/Nissan mit einem nennenswerten Anteil bei GM einsteigen und seinen viel gefeierten Chefsanierer Carlos Ghosn mitbringen, dürfte der Aktienkurs des schwer angeschlagenen Konzerns auf Touren kommen.

Der größte GM-Einzelaktionär Kirk Kerkorian würde mit seiner Beteiligung endlich im Plus landen. Kerkorians Vertreter im GM-Board, Jerome York, könnte mit Ghosn seinen persönlichen Lieblings-Chef ans Steuer holen. Und Ghosn selber erhielte neben einem größeren Standbein im US-Markt neue Einsparchancen, etwa durch die Produktion größerer Nissan-Modelle in schlecht ausgelasteten GM-Fabriken.

Soweit die Theorie. In der Praxis spricht nahezu alles gegen eine Mega-Allianz zwischen GM und Renault/Nissan. Die jüngere Historie etwa zeigt nicht nur mit Blick auf Daimler-Chrysler und Mitsubishi, dass große automobile Zusammenschlüsse mehr Schaden anrichten als nutzen. Ein weiterer wichtiger, wenn nicht gar entscheidender Grund: An den Schalthebeln der Macht bei GM sitzen nicht Kerkorian und York, sondern Konzernchef Rick Wagoner.

US-Medien zufolge genießt Wagoner weiter das Vertrauen bei der Mehrzahl der Board-Mitglieder, obwohl er mit dem Opel-Mutterkonzern im Vorjahr horrende Verluste von 10,6 Milliarden Dollar einfuhr. Seitdem aber hat Wagoner hart durchgegriffen und erste Sanierungserfolge vorzuweisen: Über Abfindungsprogramme haben 34 000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, Gehälter und Dividenden wurden gekürzt, Pensionslasten verringert, Vermögenswerte im Wert von drei Milliarden Dollar veräußert. Bis Jahresende soll der Mehrheits-Verkauf der Finanz-Sparte GMAC weitere acht Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Auf diese Weise hat Wagoner das Bild vom unbeweglichen und kaum mehr steuerbaren Koloss GM korrigiert und den Anschein erweckt, die Sanierung ohne fremde Hilfe schaffen zu können.

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