Inside: General Motors
Spritschluckende Ungetüme

Die Opel-Mutter General Motors ist auf ihrem Heimatmarkt USA schwer ins Schleudern geraten. Rekordpreise für Treibstoff und die Krise auf dem Kreditmarkt haben fatale Fehler in der Modellpolitik offen gelegt. Im Mai rutschte GMs-Anteil am US-Neuwagengeschäft erstmals unter 20 Prozent

Dabei standen spätestens seit 2005 die Zeichen an der Wand. Die profitable Finanztochter GMAC konnte wachsende Verluste im Autogeschäft immer weniger ausgleichen, die Bonitätseinstufung für den Konzern sackte in den Keller, Großanleger Kirk Kerkorian versuchte eine feindliche Übernahme. Aber das Top-Management unter Rick Wagoner hielt unbeirrt an der Hoffnung auf wieder sinkende Treibstoffpreise fest. Anstatt sich von spritschluckenden Ungetümen zu verabschieden, peppte GM sie nur mit mehr Chrom und höherer PS-Zahl auf. Seither haben sich die US-Benzinpreise verdoppelt. Und der Markt für Pickup-Trucks und so genannte Sport Utility Vehicles (SUV) ist praktisch zusammengebrochen.

Nun endlich will Wagoner Nägel mit Köpfen machen. Bis 2010 sollen vier Werke für Pickups und SUV geschlossen und die Produktion von sparsameren Fahrzeugen hochgefahren werden. 2010 ist auch das Jahr, in dem die 2007 mit der Gewerkschaft UAW ausgehandelten Kostensenkungen voll zum Tragen kommen. Die Frage ist nur, wie der Konzern bis dahin überleben will.

Denn die massive Umstrukturierung und die Entwicklung neuer Modelle kostet Milliarden. In diesem Jahr will GM fast 20 000 weitere Arbeitskräfte frühpensionieren oder abfinden. Hinzu kommen Probleme mit zwei ehemaligen Töchtern, die früher schöne Gewinne brachten. Der riesige Zulieferbetrieb Delphi, den GM schon 1999 verselbständigt hatte, rutschte 2005 in den Vergleich. Die Übernahme von Pensionsverpflichtungen und Abfindungen belasteten GM seither mit über 7,5 Milliarden Dollar. 2007 verlor Delphi über zwei Milliarden Dollar, und ein Finanzierungspaket von 6,1 Milliarden Dollar zum Abschluss des Vergleichsverfahrens platzte. GM, das bereits mit 2,8 Milliarden Dollar dabei ist, könnte jetzt zusätzlich in die Pflicht genommen werden.

2006, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, verkaufte GM 51 Prozent von GMAC an eine Investorengruppe unter Führung von Cerberus. Residential Capital, die Hypothekentochter von GMAC, verlor seit Mitte 2006 rund 5,3 Milliarden Dollar und belastete das GM-Ergebnis im ersten Quartal 2008 mit 1,45 Milliarden Dollar. Um einen Konkurs der Hypothekentochter zu vermeiden, organisierte GMAC eine Kreditlinie von 3,5 Milliarden Dollar. Dazu mussten GM und Cerberus die ersten 750 Millionen Dollar garantieren, wovon Residential Capital bereits 630 Millionen Dollar in Anspruch genommen hat.

Sowohl bei den Kosten als auch bei der Fertigungsqualität hat GM zwar gegenüber japanischen Konkurrenten deutlich aufgeholt. Aber weil der Konzern auf die falschen Modelle setzte, muss GM jetzt Werke schließen, die mittlerweile zu ihren besten zählen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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