Inside: Giesecke & Devrient
Mit Sicherheit voran

Für viele Menschen ist der Name Giesecke & Devrient (G&D) gleichbedeutend mit Geld. Seit über 150 Jahren fertigt das Familienunternehmen Geldpapier und druckt Banknoten. Doch inzwischen gehört mehr zu G&D. Viele Banken vertrauen auf Maschinen der Münchener, um die Scheine zu sortieren.

MÜNCHEN. Und wer seine Plastikkarten im Portemonnaie genauer anschaut, der wird regelmäßig das Logo der Münchener erkennen. Von Kreditkarten bis zu Firmenausweisen produziert G&D jedes Jahr eine Milliarde Plastikkarten, die großenteils mit Chips bestückt sind. Auch das ist noch nicht alles. Längst bewegt sich die Firma im virtuellen Raum. Die Entwickler arbeiten an Programmen, um den Zahlungsverkehr sicherer zu machen.

Was das alles miteinander zu tun hat? Immer geht es um Produkte, die besonders schützenswert sind. Die Druckplatten für Banknoten dürfen genauso wenig in die falschen Hände geraten wie Rohlinge für Kreditkarten oder die Software, die es ermöglicht, mit dem Handy zu bezahlen. Mit der kompromisslosen Ausrichtung auf alles, was sich um Sicherheit dreht, sind die Münchener über die Jahre hinweg gut gefahren. Das beweisen Aufträge aus der ganzen Welt. Doch der Ruf des traditionsreichen, zuverlässigen Partners sichert noch längst nicht die Zukunft.

Beispiel Gesundheitskarte: Wenn das Mega-Projekt in Deutschland in den nächsten Jahren Zug um Zug umgesetzt wird, dann werden viele lukrative Aufträge vergeben. Die gehen an die Anbieter der Karten genauso wie die Herstellern der dazu gehörigen Lesegeräte sowie der dahinter liegenden Software.

Für G&D ist die Gesundheitskarte noch wichtiger als für die meisten ausländischen Konkurrenten. Denn auf seinem Heimatmarkt muss das Familienunternehmen einen nennenswerten Anteil der Aufträge bekommen. Alles andere würde dem Ansehen international nicht gut tun. Wer möchte schon in fernen Ländern auf eine Firma vertrauen, wenn sie nicht einmal zuhause ausgewählt wird?

Und noch ein weiteres Geschäft in Deutschland sollte sich G&D sichern, wenn das Unternehmen im Ausland glaubwürdig bleiben will: die Herstellung der deutschen Pässe und Personalausweise. Bislang hat die Bundesdruckerei hier das Monopol. Doch die Alleinstellung wird in den nächsten Jahren fallen. Kämen die Bayern dann zum Zug, wäre das nicht nur ein wichtiger Umsatzbringer, sondern auch eine gute Referenz.

Damit noch nicht genug der Herausforderungen. Immer öfter wird heute weder mit Kreditkarte noch mit Bargeld bezahlt, sondern virtuell per Handy oder im Internet. Gelingt es G&D, in solchen Zukunftsmärkten mit Sicherheitslösungen eine Rolle zu spielen, dann kann das Unternehmen künftig sogar kräftig wachsen.

Mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro ist G&D allerdings vergleichsweise klein, das Unternehmen tritt gegen viele größere, finanzstarke Konkurrenten an. Gerade im immer wichtiger werdenden Feld der IT-Lösungen versuchen auch Konzerne wie Siemens, sich im Sicherheitsbereich zu profilieren.

Und im Kartengeschäft ist G&D mit 20 Prozent Marktanteil zwar die weltweite Nummer zwei. Doch Weltmarktführer Gemalto kommt schon in einem Quartal auf rund 500 Millionen Euro Umsatz – das sind nur 100 Millionen weniger, als G&D in diesem Geschäftsfeld zuletzt im ganzen Jahr erzielt hat.

Im Gegensatz zu den Konzernen hat G&D freilich die komfortable Position, dass nicht jedes Geschäft gleich in Frage gestellt wird, wenn die Zahlen einmal nicht stimmen. Darin liegt die Kraft eines Unternehmens, das seit 1852 in Familienbesitz ist – und dies erklärtermaßen auch bleiben soll.

hofer@handelsblatt.com

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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