Inside: Gildemeister
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Seit Monaten geht es steil aufwärts mit der Gildemeister-Aktie. Diese Woche kostete das Papier des Konzerns bereits 18 Euro – 80 Prozent mehr als im Januar. Der Hersteller von Werkzeugmaschinen, der noch 2003 rote Zahlen schrieb, profitiert von der robusten Branchenkonjunktur und internen Effizienzsteigerungen. Vielversprechend entwickelt sich vor allem das jüngste Geschäftsfeld Solar.

Steil aufwärts geht es seit Monaten mit der Gildemeister-Aktie. Der alte Höchststand von zwölf Euro aus dem Jahr 2002 wurde schnell überschritten, diese Woche kostete das Papier bereits 18 Euro – 80 Prozent mehr als im Januar. Der weltgrößte Hersteller von spanenden Werkzeugmaschinen profitiert von der robusten Branchenkonjunktur und internen Effizienzsteigerungen. Für 2007 erwarten Analysten ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von über 100 Millionen Euro, ein Viertel mehr als 2006. Und Konzernchef Rüdiger Kapitza wagt schon jetzt die Prognose, dass 2008 eher noch besser wird.

Vielversprechend entwickelt sich vor allem das jüngste Geschäftsfeld Solar: Erst seit diesem Jahr liefert Gildemeister Komponenten, Teilsysteme und komplette Solaranlagen. Eine Konzerntochter hat ein gesteuertes Trägersystem für Solarmodule entwickelt, die dadurch dem Sonnenverlauf folgen können. Im Vergleich zu starren Trägersystemen erhöht sich die Stromausbeute um 20 bis 30 Prozent. Nach 70 Millionen Euro in 2007 dürfte die Sparte 2008 schon 150 Millionen Euro Umsatz machen und 15 Millionen Ergebnis erzielen.

Für die Folgejahre zeichnet sich weiteres Wachstum ab. Denn das 138 Jahre alte Industrieunternehmen hat einen guten Ruf und in Solarmärkten wie Spanien etablierte Serviceteams, die in wenigen Stunden vor Ort sein können. Ein klarer Vorteil gegenüber jungen Solarfirmen. Die hohen Anzahlungen, die Gildemeister als Generalunternehmer für Solarparks erhält, eröffnen zudem die Chance, das Tempo beim Abbau der Finanzschulden von 280 Millionen Euro zu erhöhen.

Auch das bisherige Kerngeschäft läuft gut. Vor Ende 2008 ist kaum mit einem Ende des Aufschwungs zu rechnen, denn die Werkzeugmaschinenbranche ist ein Spätzykliker, der der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ein Jahr verzögert folgt. Einige Kunden aus den Branchen Automobil, Elektrotechnik und Maschinenbau sind so gut beschäftigt, dass sie die wichtige Werkzeugmaschinenmesse Emo im Herbst gar nicht erst nicht abwarten wollen. Die Chance, jetzt zu bestellen und damit noch in diesem Jahr die dringend benötigte Drehmaschine geliefert zu bekommen, schätzen sie offenbar höher ein als die letzte technische Innovation. Gleichwohl wird die Messe 2008 für weiteren Schub sorgen.

Gildemeister ist aber bereits voll ausgelastet. Mehr als 1,4 Milliarden Euro Umsatz – 200 Millionen Euro weniger als der voraussichtliche Auftragseingang – werden die Bielefelder 2007 nicht realisieren können. Doch um die Auftragsflut zu bewältigen, schafft Gildemeister keine dauerhaften Arbeitsplätze. Das Unternehmen versucht die Bedarfsspitze vielmehr mit Leiharbeitskräften zu meistern. Das ist zwar teurer, erhöht aber die Flexibilität. Nicht mehr benötigtes Personal wird Gildemeister schnell wieder los. Denn der nächste Abschwung kommt bestimmt.

Deshalb macht Kapitza den Konzern, der noch 2003 rote Zahlen schrieb, wetterfest. So wird er das konjunkturunempfindliche Dienstleistungsgeschäft weiter ausbauen. Bei 32 Prozent Anteil am Konzernumsatz steuert die Instandhaltung von Werkzeugmaschinen, die auch eine Aktualisierung der Software umfasst, bereits 60 Prozent zum Konzern-Ebit bei. Mit 15 Prozent ist die Ebit-Marge viel höher als im Werkzeugmaschinenbau. Dort begrenzt der starke Preisdruck die Marge auf fünf Prozent.

Auch wenn Anleger nach dem starken Kursanstieg jetzt verstärkt Kasse machen, die Aktie hat noch einiges Potenzial. Es sieht nämlich so aus, als sei die alte, konjunkturanfällige Gildemeister Vergangenheit.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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