Inside: Glaxo
Diabetischer Schock

Der britische Pharmariese Glaxo-Smithkline musste in den vergangenen beiden Tagen eine Art diabetischen Schock verkraften. Gut acht Prozent verlor die GSK-Aktie an Wert, nachdem Wissenschaftler im angesehenen New England Journal of Medicine eine sehr kritische Studie zu dem Medikament Avandia publiziert hatten. Jetzt ist die längerfristige Strategie des britischen Konzerns in Gefahr.

FRANKFURT. Der Wirkstoff gegen die Zuckerkrankheit wird weltweit Millionen von Menschen verordnet und spült jährlich etwa drei Milliarden Dollar Umsatz in die Kasse von Glaxo-Smithkline. Doch anstatt Folgeerkrankungen von Diabetes zu vermeiden, so der Vorwurf, erhöhe das Mittel die Risiken für Herzinfarkte deutlich.

Noch ist völlig unklar, wie stichhaltig die Untersuchung tatsächlich ist und welche Schlüsse die Zulassungsbehörden ziehen werden. Die Gefahr, dass sich der Fall zu einem ähnliches Desaster ausweitet, wie es Merck & Co mit dem Schmerzmittel Vioxx erlebt hat, erscheint gering.

Dennoch hat der Rückschlag genug Brisanz, um die längerfristige Strategie des britischen Konzerns in Frage zu stellen. Avandia trägt immerhin etwa acht Prozent zum GSK-Arzneimittelgeschäft von 37 Milliarden Dollar bei und gehört zu jenen Produkten, die Analysten bisher als Wachstumsträger für die kommenden Jahre einstuften. Diese Perspektive gerät mit der kritischen Studie ins Wanken. Selbst wenn das Mittel ohne Einschränkung auf dem Markt bleiben kann, dürfte die Sicherheitsdebatte seine Wettbewerbsposition gegenüber Konkurrenzprodukten stark beeinträchtigen.

Den britischen Pharmariesen trifft das in einer ohnehin schwierigen Phase. Produkte mit etwa zehn Prozent Umsatzanteil verlieren bereits 2007 ihren Patentschutz. Weitere Abläufe sind in den Folgejahren zu verkraften. Hinzu kommt eine wachsende Konkurrenz im wichtigen Asthma-Bereich. In der Produktentwicklung bescheinigen Fachleute dem britischen Konzern zwar erhebliche Fortschritte. Es erscheint aber zusehends fraglich, ob Neuentwicklungen wie das kürzlich zugelassene Krebsmittel Tykerb tatsächlich in der Lage sein werden, Patentabläufe und Einbußen, wie sie nun bei Avandia drohen, zu kompensieren. Nach dem Marktführer Pfizer könnte damit auch die Nummer zwei der Pharmabranche aus dem Tritt geraten.

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