Inside: GMAC: Eine unselige Mitgift

Inside: GMAC
Eine unselige Mitgift

Der Not leidende US-Autoriese General Motors (GM) hat eine Stütze, deren Bedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzen ist: die Finanztochter GMAC. Zuverlässig wie seit Jahren erwirtschaftete die General Motors Acceptance Corp. auch 2005 einen saftigen Reingewinn von 2,8 Milliarden Dollar.

PORTLAND. Davon lieferte sie 2,5 Milliarden Dollar als Dividende an die Mutter ab. Deren nordamerikanisches Autogeschäft wies in der gleichen Zeit einen Super-Verlust von 5,6 Milliarden Dollar aus.

Verwunderlicher noch als GMs Absicht, sich überhaupt von der Mehrheit an ihrer Ertragsperle zu trennen, erscheint deshalb, dass der Autokonzern seit Oktober vergeblich nach Käufern sucht. In der Gerüchteküche wird ein Konsortium unter Führung einer Citigroup-Tochter und der Vermögensverwaltung Cerberus Capital Management als aussichtsreichster Interessent gehandelt. Aber konkret ist bisher nichts.

Die Mutter GM will mit dem Notverkauf, der mindestens elf Milliarden Dollar in die Kasse bringen soll, ihre Liquidität auffüllen, um die finanzielle Basis für eine Rosskur in ihrem Nordamerika-Geschäft zu schaffen: Mindestens 30 000 Stellen sollen abgebaut, ein Dutzend Werke und Betriebsstellen geschlossen werden.

Darüber hinaus wird die zwangsweise Beteiligung an der Sanierung der ehemaligen Zuliefer-Tochter Delphi Milliarden verschlingen. Zudem werden die Tarifverhandlungen mit der Automobil-Gewerkschaft UAW im nächsten Jahr, bei denen es aus GMs Sicht nur um Leistungskürzungen gehen kann, extrem hart verlaufen. Ohne ein ausreichendes Finanzpolster könnte ein längerer Streik GM in die Insolvenz zwingen.

Obwohl GMAC mit Hypotheken und Versicherungen inzwischen bereits mehr Geld verdient als mit Autokrediten, bleibt sie eng mit der Mutter verflochten. Die symbiotische Bindung, einst ein Segen, ist heute ein Fluch. Solange GM eine erstklassige Bonitätsbewertung vorzuweisen hatte, konnte GMAC billig Geld aufnehmen, um nicht nur mit günstigen Autokrediten das Geschäft der Mutter zu stützen, sondern auch in Bereiche wie die Wohnungsbaufinanzierung zu expandieren. Doch wegen der engen Verflechtung mit GM sackten die GMAC-Papiere zusammen mit denen der Mutter tief in die Ramschzone. Die Folge: Die Refinanzierungskosten stiegen, und schon 2005 fiel der GMAC-Gewinn um rund 400 Millionen Dollar niedriger aus als im Vorjahr.

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