Inside: GPC Biotech
Riskante Wette

Nach dem Absturz im Juli und August hat sich die Aktie von GPC zuletzt wieder etwas erholt. An der Grundkonstellation bei dem Münchener Biotechnologie-Unternehmen ändert sich damit freilich wenig: Die Lage ist schwierig und vor allem unsicher.

FRANKFURT. Nachdem GPC mit dem Krebsmittel Satraplatin im ersten Anlauf bei der US-Zulassungsbehörde FDA gescheitert ist, hängt das weitere Schicksal des Unternehmens im Grunde an einer einzigen Frage: Fällt die noch laufende klinische Studie mit dem Wirkstoff am Ende gut genug aus, um doch noch eine Zulassung zu erhalten? Oder muss GPC das Projekt beerdigen?

Mit einer Antwort darauf können Investoren wohl erst Anfang 2008 rechnen, wenn abschließende Überlebensdaten aus der Zulassungsstudie im Bereich Prostata-Krebs vorliegen. Bis dahin bleibt GPC eine hochriskante Wette. Die Erfolgschancen sehen die meisten Experten inzwischen bei weniger als 50 Prozent.

Im Prinzip ist die Konstellation dabei nicht untypisch für das Pharmageschäft. Die Mehrzahl aller klinischen Studien schlägt fehl, häufig kommt es zu Verzögerungen im Zulassungsverfahren, und selbst beste Adressen in der Branche scheitern schon mal kurz vor der Ziellinie.

Aber nur bei relativ wenigen Unternehmen ist das Entwicklungsrisiko derart stark auf ein einzelnes Produkt fokussiert wie bei GPC. Selbst viele kleinere Biotechfirmen versuchen heute, ihre Forschungs- und Entwicklungsprogramme breiter zu streuen, um dem Dilemma eines „Ein-Produkt-Unternehmens“ zu entfliehen.

Das GPC-Management hatte sich anders entschieden und die Ressourcen des Unternehmens zu mehr als 80 Prozent auf Satraplatin fokussiert. Eine Strategie, die den Vorteil bietet, dass man das Testprogramm für eine neue Substanz breiter anlegen kann und damit im Erfolgsfall auch ihr wirtschaftliches Potenzial besser und vor allem auch schneller erschließen kann. Das war im Falle Satraplatin insofern sehr wichtig, als die ersten Patente bereits ab dem Jahr 2008 auslaufen und das Unternehmen allenfalls auf eine fünfjährige Verlängerung hoffen kann.

Die Kehrseite der Medaille ist das höheres Risiko und eine geringere Flexibilität. So lange noch eine Erfolgschance da ist, bleibt GPC-Chef Bernd Seizinger kaum etwas anderes übrig, als weiterhin auf Satraplatin zu setzen und die Vorbereitungen für eine eigene Vermarktung voranzutreiben. Der Abbau von rund 15 Prozent der Arbeitsplätze, den GPC vor wenigen Wochen ankündigte, stellt letztlich nur eine leichte Korrektur der bisherigen Strategie dar.

Auch ein Versuch, doch noch einen Entwicklungs- und Vermarktungspartner für das US-Geschäft mit ins Boot zu nehmen, wäre in der aktuellen Situation kaum hilfreich. Wenn überhaupt, könnte GPC vermutlich nur ungünstige Konditionen aushandeln. Die meisten großen Pharmahersteller hatten sich Satraplatin schon in früheren Jahren angeschaut – und abgewinkt.

Scheitert die Studie mit dem Krebsmittel endgültig, steht dem Unternehmen ein radikaler Einbruch bevor. In diesem Fall muss die Firma vermutlich auch die Entwicklungsprogramme mit Satraplatin bei anderen Krebsarten aufgeben und die Belegschaft massiv reduzieren. GPC fällt dann zurück auf den Status einer kleinen Biotechfirma mit nur einem Wirkstoff in der frühen klinischen Entwicklung und einigen Ansätzen in der vorklinischen Forschung. Eine neue Pipeline aufzubauen, wird schwierig sein – selbst wenn Großaktionär und Milliardär Dietmar Hopp sein Füllhorn noch einmal ausschüttet.

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