Inside: Harmony Gold
Baustelle verleiht Fantasie

Kein anderer Goldförderer hat in den letzten Wochen ähnlich kräftige Kursgewinne an der Börse verbucht wie Harmony Gold. Allein seit Mitte Februar stieg der Titel des weltweit sechstgrößten Goldproduzenten um ein Drittel. Als Betreiber teurer Minen profitiert Harmony schon von kleinen Aufschwüngen des Goldpreises überproportional stark, weil seine Gewinnmargen extrem dünn sind.

KAPSTADT. Zugegeben, dem neuen CEO Graham Briggs hilft der Verfall des Rands gegenüber dem Dollar. Die südafrikanische Währung rauscht noch rasanter in die Tiefe. Denn während Harmonys Arbeits- und Kapitalkosten in der südafrikanischen Lokalwährung anfallen, erhält das Unternehmen die Erlöse für das von ihm geförderte Gold in US-Dollar.

Doch das Argument sticht nicht allein. Schließlich hätten dann auch andere südafrikanische Förderer wie Gold Fields ähnlich stark zulegen müssen. Das ist aber nicht der Fall. Weit mehr Vertrauen schafft der Umbau des Unternehmens unter Graham Briggs. Der Übergangschef hatte den angeschlagenen Konzern im August von seinem am Kap zur Legende gewordenen Vorgänger Bernard Swanepoel übernommen.

Swanepoel hatte viele von der Schließung bedrohte Minen aufgekauft, rentabel gemacht und damit nach dem letzten schweren Einbruch des Rands im Jahr 2001 märchenhafte Renditen erzielt. Genauso schnell hatte sich die Lage dann jedoch durch die ebenso plötzliche Aufwertung des Rands ins Gegenteil verkehrt. 13 Quartale in Folge schrieb Harmony Verluste. Das Vertrauen schwand - und Briggs übernahm das Ruder.

Das neue Management weiß nach den vielen leeren Versprechungen um das tiefe Misstrauen der Anteilseigner. Durch die kläglich gescheiterte Übernahme des größeren Rivalen Gold Fields hatte das Harmony-Management seinen Fokus von der Goldproduktion genommen und einen Gutteil seiner Energien auf einen enorm kostspieligen, aber am Ende nutzlosen Übernahmekampf konzentriert.

Briggs und seine Mannschaft packen an. Sie schließen unrentable Schächte, konsolidieren, trennen sich von Verlustbringern und sparen Kosten, wo es nur geht: sei es durch den Ausstieg aus dem Sportsponsoring oder durch den Verzicht auf teure Berater.

Briggs, der zuvor die beiden Harmony-Minen in Papua Neuguinea und Australien leitete, legt sein Augenmerk auf die jahrelang gestiegenen Betriebskosten und die hohe Schuldenlast. Darüber hinaus versucht er, den enormen Aderlass an Topleuten, die Harmony in den letzten drei Jahren verlassen haben, zu stoppen. Der neue Chef setzt alles daran, die zuletzt schwache Arbeitsleistung auf den Minen zu stärken und die Disziplin der Angestellten wieder zu erhöhen.

Schließlich verleiht noch eine Option reichlich (Kurs-)Fantasie: Die verschiedenen Minen des Unternehmens könnten eines Tages separat an die Börse gebracht werden. Dadurch entstände mehr Wert, als wenn nur ein Gesamtunternehmen zu haben wäre.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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