Inside: Heidelberger Druckmaschinen
Strategie gegen Heuschrecken

Es ist schon paradox: Der deutsche Maschinenbau boomt und ausgerechnet der größte Hersteller von Druckmaschinen, die Heidelberger Druckmaschinen AG, stimmt Molltöne an. Nur ein moderates Umsatzwachstum erwartet Vorstandschef Bernhard Schreier in diesem Jahr bei einem leicht verbesserten operativen Ergebnis.

DÜSSELDORF. Weil Heideldruck schon mehrfach die Erwartungen enttäuscht hat, schneidet die Aktie seit Jahresbeginn deutlich schlechter als die übrigen M-Dax-Werte ab. Dabei weist der Weltmarktführer für 2006 einen auf 263 Millionen Euro fast verdoppelten Jahresüberschuss aus. Der kräftige Zuwachs resultiert jedoch hauptsächlich aus Einmaleffekten. Heideldruck hat Immobilien verkauft, eine Steuergutschrift polierte den Gewinn auf.

Dies wird sich im laufenden Jahr nicht wiederholen lassen. Ohnehin ist 2007 ein schwieriges Jahr für die Druckmaschinenbranche. Vor der weltgrößten Druckmaschinenmesse Drupa, die erst im Mai 2008 stattfindet, halten sich viele Kunden mit Neubestellungen zurück.

Wahrscheinlich hat Heidelberg die stillen Reserven im Immobilienbestand realisiert, um sich gegen einen Übernahmeversuch zu wappnen. Denn der Konzern bietet einiges, was Finanzinvestoren gierig machen könnte: Aus dem laufenden Geschäft generiert der Druckmaschinenhersteller einen hohen Cash-Flow, der Konzern hat reichlich Eigenkapital, zudem kann Heidelberg mit 42 Prozent Weltmarktanteil und einer starken Marke gute Preise durchsetzen.

Anfällig für Übernahmen ist Heideldruck, da das Unternehmen keinen schützenden Großaktionär mehr hat. Die Commerzbank hat sich von ihrem Paket getrennt, die Allianz hat bereits angekündigt, ihren Anteil von zwölf Prozent abzugeben. Und der frühere Mehrheitsaktionär RWE hält inzwischen weniger als zehn Prozent. Die Ende Juni fällig gewordene Wandelanleihe hat RWE überwiegend in bar zurückbezahlt. Bald wird der Druckmaschinen-Weltmarktführer ohne Großaktionär dastehen.

Doch es fehlt ein wichtiges Argument für einen Einstieg eines Finanzinvestors bei Heidelberg: Es gibt keine Zerschlagungsphantasie. Das Unternehmen hat sich bereits vor vier Jahren von den verlustreichen Aktivitäten in den Bereiche Zeitungs- und Digitaldruck getrennt. Heute konzentriert sich Heidelberg auf seinen starken Kernbereich Maschinen für den Bogendruck, wo das Unternehmen vor allem die Werbebranche beliefert. Über diese vor vier Jahren von der Branchenkrise erzwungene Konzentration auf das Kerngeschäft dürfte der Vorstand heute froh sein. Der Bereich Zeitungsdruck ist nach wie vor schwierig, das hat gerade der Konkurrent Koenig & Bauer gezeigt: Er verordnete seinem Rollenbereich Kurzarbeit, da die Aufträge ausbleiben.

Heidelberg versucht dagegen, sein Stammgeschäft auszuweiten und weniger konjunkturanfällig zu machen. Die Ergänzung der Produktpalette auf das superbreite Format zielt auf neue Kunden vor allem aus dem Verpackungsbereich. Auch der Service und das Ersatzteilgeschäft sollen ausgeweitet werden. Dieses Geschäft ist weniger zyklisch als das mit der Werbebranche und verspricht gleichmäßigere Erträge – Maßnahmen, die dem Unternehmen in Zukunft noch zu Gute kommen könnten.

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