Inside: Hochtief
Übernahmephantasie

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief ist zur Zeit auch Deutschlands größtes Übernahmeobjekt Der Milliardär August von Finck prüft den Verkauf seiner Beteiligung von 25,1 Prozent. Prompt leben Spekulationen über eine Übernahme wieder auf.

DÜSSELDORF. Das Finck’sche Angebot scheint verlockend und mit knapp einer Milliarde Euro auch erschwinglich. Erst ab einer Beteiligung von 30 Prozent wäre ein Übernahmeangebot Pflicht. Doch noch ist nichts entschieden. Von Finck ist dem Konzern sehr lange verbunden. So wird er sich kaum gegen die Interessen von Hochtief entscheiden. Auch ein Verkauf in kleinen Paketen ist daher denkbar. Eine feindliche Übernahme gilt jedenfalls als unwahrscheinlich. Von Fincks Einstieg nach dem Ausstieg des Energiekonzerns RWE sollte eigentlich für Ruhe bei Hochtief sorgen. Die Finck-Holding Custodia wurde von Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel noch als langfristiger Investor begrüßt. So kann man sich täuschen – die Globalisierung gibt heutzutage das Tempo vor.

Von Finck begründet die Prüfung des Verkaufs mit der hohen Wertsteigerung des Aktienpakets seit seinem Einstieg im Herbst 2005. Als einer der größten internationalen Baudienstleister mit starken Töchtern in den USA (Turner) und Australien (Leighton) sowie Standbeinen im Flughafengeschäft und im Bau und Betrieb öffentlicher Infrastruktureinrichtungen (Öffentlich-Private Projekte wie beispielsweise Maut-Autobahnen) ist Hochtief unverändert auf Erfolgskurs. Doch wenn es am schönsten ist, sollte man gerade an der Börse ans Aufhören denken.

Zumal ein paar Wolken am Anlegerhimmel aufgezogen sind, die ein Ende des Höhenflugs signalisieren. So lässt das Baugeschäft in Europa (Hochtief Construction Services Europe) Wünsche offen. Bis Ende September ist das Ergebnis stark gesunken. Trotz des Aufschwungs im wichtigsten Markt Deutschland hat Hochtief Probleme: Hier stehe man nach wie vor unter hohem Preisdruck, heißt es im Zwischenbericht. Gleichzeitig seien die Kosten für Rohstoffe und Vorleistungen gestiegen. Nun will sich Hochtief auf ertragsstarke Marktsegmente und Vertragsmodelle konzentrieren. War dies bisher etwa nicht der Fall?

Eins ist klar: Eine neue Pleite à la Philipp Holzmann oder Walter Bau droht hier nicht. Denn Hochtief erzielt nur noch rund 10 Prozent der Umsätze im klassischen Baugeschäft in Europa. Auch Keitels Umzug aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat hat, obwohl überraschend, nichts damit zu tun. Genauso wenig wie der altersbedingte und planmäßige Wechsel an der Spitze der Hochtief Construction in Europa, der kurze Zeit später verkündet wurde.

Doch Risiken bleiben. Analysten sehen aber auch Chancen. Das Geschäft in Osteuropa beispielsweise hat noch Wachstumspotenzial. Weitere Potenziale schlummern im Flughafengeschäft und dem gewaltigen Zukunftsmarkt der Öffentlich-Privaten Projekte. Doch dazu braucht Hochtief einen Großaktionär, der den Konzern nicht nur begleitet, sondern ihn aktiv nach vorne treibt.

Hat Custodia dies eingesehen? Als Begründung für den Verkauf heißt es nicht zuletzt: Die Prüfung erfolge auch im Hinblick auf den fortschreitenden Konzentrationsprozess bei global agierenden Baudienstleistern. Vielleicht wird hier an einer Zukunftsstrategie gearbeitet. Im Flughafengeschäft hat Hochtief bereits eine Partnerschaft mit Finanzinvestoren gebildet. Eine umfassendere Allianz könnte folgen, um sich für die Zukunft zu rüsten.

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