Inside: Iberdrola
Innere Bedrohung

Ein Gewinner der gigantischen Übernahmeschlacht um den spanischen Energiekonzern Endesa ist gar kein Bieter, sondern ein Konkurrent: Durch die Teilung des Konzerns wird Iberdrola zur neuen Nummer eins Spaniens. Die Iberer sind jedoch nicht nur Nutznießer, Iberdrola arbeitet auch selbst fleißig an an einer blühenden Zukunft – auch entgegen Störungen aus den eigenen Reihen.

MADRID. Traditionell steht der spanische Versorger Iberdrola im Schatten des einheimischen Konkurrenten Endesa. Der fast zweijährige Übernahmekampf um den Branchenführer hat das Blatt jedoch gewendet. Denn die wahrscheinlichen neuen Eigentümer, Enel und Acciona, haben sich bei der Übernahme verpflichtet, ein Viertel der Stromerzeugungskapazitäten an den unterlegenen Bieter Eon abzugeben. Auch ohne eigenes Zutun würde Iberdrola zum spanischen Marktführer aufrücken. An der Börse ist der Konzern mit einer Kapitalisierung von rund 48 Milliarden Euro bereits deutlich mehr wert als der ewige Konkurrent Endesa.

Das hat Iberdrola-Chef Ignacio Sánchez Galán auch den vielen Zukäufen zu verdanken. Erst vor einer Woche übernahm Iberdrola den US-Versorger Energy East und unterstrich damit seine Strategie, in Nordamerika zu wachsen. Inklusive drei Milliarden Euro Schulden, die Iberdrola mit übernimmt, ließen sich die Spanier diese Transaktion 6,4 Milliarden Euro kosten. Seinem Ziel, weltweit die Nummer eins bei erneuerbaren Energien zu werden, rückt Sánchez Galán damit immer näher, denn 40 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten der neuen Tochter stammen aus grünen Quellen. Iberdrola ist heute schon der weltweit größte Windenergieproduzent.

In Rekordzeit brachte Sánchez Galáns die Finanzierung unter Dach und Fach. Innerhalb eines einzigen Tages konnte ein internationales Bankenkonsortium 85 Millionen neue Aktien zum Preis von 39,70 Euro bei institutionellen Investoren platzieren. Dadurch flossen 3,4 Milliarden Euro in die Iberdrola-Kasse – exakt die Summe, die den Aktionären von Energy East als Barpreis angeboten wurde. Börsianer halten den Weg für richtig. Die Iberdrola-Aktie tendiert nach einem kurzen Knick wieder nach oben.

Bereits Anfang dieses Jahres hatte Iberdrola für stolze 18 Milliarden Euro den britischen Versorger Scottish Power übernommen. Im April verleibte sich Sánchez Galán die US-Windkraftfirma CPV Wind Ventures ein. Die Übernahmen haben vor allem ein Ziel: Der Iberdrola-Chef will die Unabhängigkeit seines Konzerns erhalten. Denn Ende September 2006 beteiligte sich der führende spanische Baukonzern ACS mit zunächst gut zehn Prozent an Iberdrola und stieg damit zum führenden Anteilseigner auf. ACS kontrolliert gleichzeitig den drittgrößten spanischen Versorger Unión Fenosa.

ACS-Präsident Florentino Pérez hat Großes vor: Er will Iberdrola und Unión Fenosa miteinander fusionieren und so einen nationalen Energiechampion formen. Aber Pérez und Sánchez Galán konnten sich nicht einigen, wer bei einer solchen Operation die Kontrolle hätte. Sánchez Galán beansprucht die Führung in einem fusionierten Konzern für sich. Das ist auch ein Grund, warum er Unión Fenosa erst einmal links liegen lässt und sich auf die Expansion in die angelsächsische Welt konzentriert. Dabei konsultiert er seinen Kontrahenten Pérez kaum, er geht, wie bei Energy East, im Alleingang vor.

Doch der Machtkampf um Iberdrola ist noch nicht entschieden. Denn nur wenn Iberdrola weiter wächst und die Zukäufe mit Kapitalerhöhungen finanziert, kann der Einfluss von ACS im Unternehmen gering gehalten werden.

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