Inside: Implenia
Das Fundament bröckelt

Die Hochtiefs, Strabags und Bilfingers dieser Welt müssen sich noch in Geduld üben – lange kann es aber nicht mehr dauern: Dann steht der größte Schweizer Baukonzern Implenia zum Verkauf. Das rentable Unternehmen dürfte ein guter Fang sein. Bis es so weit ist, wird ein Wirtschaftskrimi weiter seinen Lauf nehmen, der an Spannung einiges zu bieten hat.

ZÜRICH. Implenia ist vor rund zwei Jahren aus dem Zusammenschluss zweier Schweizer Bauunternehmen entstanden und an die Börse gegangen. Es dauerte nur einige Monate, bis mit dem britischen Hedge-Fond Laxey eine echte Heuschrecke bei Implenia einstieg. Die Briten machen kein Hehl daraus, dass sie sich nicht als besonders langfristige Aktionäre sehen, was sie zwar nicht sympathisch, aber immerhin ehrlich erscheinen lässt. Sie haben Schritt für Schritt ihre Beteiligung an dem Bauunternehmen, das etwa im Tunnelbau über einiges an Spezialwissen verfügt, auf inzwischen 33,1 Prozent erhöht und danach das nach Schweizer Recht fällige Pflichtangebot an die anderen Aktionäre unterbreitet. Es liegt allerdings so niedrig, dass kaum jemand darauf eingehen wird. Dahinter steckt die Absicht, nach Ablauf der Angebotsfrist die Position am Markt weiter auszubauen. Eine Mehrheit, so die Kalkulation des Hedge-Fonds, dürfte sich eher gewinnbringend verkaufen lassen.

Implenia schaut diesem Treiben natürlich nicht untätig zu. Für Verwaltungsratspräsident Anton Affentranger, der mit der Gründung des Konzerns sein Lebenswerk vollendet hat, geht es um alles oder nichts. Affentranger hat sich deswegen auf die Suche nach Giftpfeilen gemacht, die Implenia im Köcher hat, um Übernahmen abzuwehren.

Dass so etwas in einer Zeit geschieht, in der die EU-Kommission scharf gegen nationale Regelungen vorgeht, die Übernahmen verhindern sollen – wie etwa jüngst das VW-Gesetz, stört den Schweizer nicht im geringsten. Er zauberte vielmehr ein schon fast abgeschafftes Schweizer Gesetz aus dem Hut, das nach seinem Erfinder Lex Koller genannt wird und den Erwerb von Wohnimmobilien durch Ausländer beschränkt. Es stammt aus einer Zeit, als die Schweizer Angst hatten, dass reiche Ausländer die schönsten Flecken in ihrem Land kaufen und für weniger vermögende Einheimische nichts Brauchbares mehr übrig bleibt.

Implenias Geschäftsmodell sieht nun oft so aus, dass Grundstücke gekauft, Immobilien gebaut und das Ganze wieder verkauft wird. Mit einem ausländischen Mehrheitseigentümer ließe sich das wegen des Lex Koller nicht länger durchziehen, meint Affentranger. Der Konzern wäre in seiner Substanz gefährdet, glaubt er und begründet damit, dass Laxey trotz seines Drittel-Anteils nur 4,9 Prozent der Stimmrechte erhält.

Auf einer außerordentliche Generalversammlung im Dezember soll diese Haltung des Verwaltungsrats noch mal von den Aktionären abgesegnet werden. Das Treffen, so rechnet sich Affentranger aus, wird zum Heimspiel, weil der Gegner ja eben nur über eine Hand voll Stimmrechte verfügt und damit die Klausel, die ihn selbst behindert, nicht kippen kann.

Laxey weiß das und verspricht sich deswegen auch von einem Gerichtsverfahren, in dem der Hedge-Fond seine Stimmrechte einklagen will, mehr als von der Aktionärsversammlung. Und in der Tat müssten die Richter auf einem Auge blind sein, wenn so ein Verfahren zu Gunsten des Baukonzerns ausginge. Das eigens ausgegrabene Lex Koller scheint nämlich nur Implenia daran zu hindern, Ausländern eine größere Beteiligung am Unternehmen einzuräumen.

Andere Schweizer Baufirmen mit ausländischen Eigentümern, wie etwa die vom französischen Bouygues -Konzern beherrschte Losinger-Gruppe oder Züblin -Murer, die zur österreichischen Strabag gehört, bauen munter drauf los. Implenias Argumentation steht damit auf keinem sicheren Fundament, was für Baufirmen immer schlecht ist und in absehbarer Zeit für neue Besitzverhältnisse sorgen dürfte.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%