Inside: Jenoptik
Fehlstart in die Zukunft

Das Unternehmen ist jetzt „viel kleiner, aber auch viel krisenfester, wachstumsorientierter und ertragreicher.“ So beschrieb vor einem Jahr der damalige Vorstandsvorsitzende der Jenoptik, Alexander von Witzleben, die Zukunft des einstigen ostdeutschen Vorzeigeunternehmens. Gerade hatte er den größten Geschäftsbereich Anlagenbau verkauft. Ein Jahr später zeigt sich, dass dies ein Fehlschluss war.

DÜSSELDORF. Jenoptik hat mit einem unerwartet schwachen Ergebnis für das zweite Quartal die Märkte geschockt und nach Steuern sogar einen Verlust ausgewiesen. Die kurzzeitig ausgesetzte Aktie brach um über 15 Prozent ein und hat sich nicht wieder erholt. Eine unerwartete Auftragsflaute in der Sparte Sensorik macht der Vorstand als Ursache für die schlechten Quartalszahlen aus. Der Bereich Verkehrssicherheitstechnik, der vor allem Blitzgeräte zur Verkehrsüberwachung herstellt, erhielt fast keine Aufträge. Die Gewinne dieser renditestarken Sparte fehlen in der Quartalsabrechnung.

Früher waren es die in der Tochtergesellschaft M+W Zander gebündelten Sparte Anlagenbau und Gebäudemanagement, die Jenoptik rote Zahlen und einen stark schwankenden Auftragseingang bescherten. Großaufträge für Reinräume kamen sehr unregelmäßig aus der Halbleiterindustrie, benötigten eine hohe Vorfinanzierung und brachten nur geringe Margen. Deshalb beschloss der Vorstand, sich von diesem Bereich mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro und 7 000 Beschäftigten zu trennen. Zunächst sollte der Bereich in Singapur an die Börse gebracht werden, doch dies scheiterte. Schließlich ging M+W Zander an den Finanzinvestor Springwater Capital, was Jenoptik einen Verlust durch hohe Abschreibungen einbrachte.

Doch wichtiger war dem Vorstand die Trennung von dem Anlagenbau, die Tilgung der hohen Schulden von über 300 Millionen Euro und die Aufbesserung der schwachen Eigenkapitalquote. Mit dem Verkaufspreis soll im Herbst eine Hochzinsanleihe vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Zinszahlungen von knapp 14 Millionen Euro im Halbjahr waren mitverantwortlich für den Verlust im zweiten Quartal.

Nach dem Verkauf des Anlagenbaus ist Jenoptik nicht mehr der Gemischtwarenladen, den Lothar Späth nach der Wende zusammengekauft hatte. Doch auch der jetzige Mittelständler Jenoptik mit einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro hat nur begrenzte Synergien zwischen seinen zahlreichen Tochtergesellschaften. Der Bereich Laser & Optik ist auch stark von der Halbleiterindustrie abhängig. Die Sparte Sensorik soll zu einem führenden Anbieter der industriellen Messtechnik ausgebaut werden, enthält aber so zyklische Bereiche wie die Blitzgeräte, die jetzt die großen Probleme bereitet haben. Und die Mechatronik liefert an die Rüstungsindustrie, zum Beispiel die Kunststoffnase des Eurofighters.

Die Wachstumschancen sind für die neue Jenoptik begrenzt, solange der Schuldenberg noch nicht abgetragen ist. Bisher hat das Unternehmen lediglich den französischen Messtechnik-Hersteller Etamic mit rund 30 Millionen Umsatz übernommen. Doch Etamic hat bisher lediglich zum Umsatz, nicht aber zum Ergebnis beigetragen, da die Gesellschaft noch in den Konzern integriert werden muss.

Der erst seit Juli als neuer Jenoptik-Chef amtierende Michael Mertin hätte sich sicher einen besseren Start vorgestellt als gleich einen Quartalsabschluss mit roten Zahlen vorzustellen. Vielleicht hat er deshalb die Präsentation der Zahlen seinem Finanzchef Frank Einhelliger überlassen.

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