Inside: Jenoptik
Noch nicht krisenfest

Wer bisher glaubte, Jenoptik werde nach der Trennung von den margenschwachen Bereichen Reinraumtechnik und Gebäudemanagement zu ertragreichem Wachstum finden, sieht sich getäuscht. Für 2007 weist das einstige ostdeutsche Vorzeigeunternehmen praktisch keinen Gewinn aus. Der Konzern muss seine Vergangenheit bewältigen.

DÜSSELDORF. Dieses Mal war es der Bereich Sensorik, der die Erwartungen verfehlte. Jenoptik ist bei Blitzgeräten zur Verkehrsüberwachung Marktführer. Im vergangenen Jahr orderten die Kunden aber nur sehr wenige dieser Starenkästen, Großaufträge blieben weltweit praktisch aus. Der Gewinn dieser renditestarken Sparte fehlt jetzt im Jahresabschluss und konnte durch die anderen Bereiche nicht ausgeglichen werden, obwohl diese inzwischen deutlich besser laufen.

Jenoptiks Problem ist, dass diese anderen Geschäftsfelder wenig miteinander zu tun haben und daher auch wenig Synergien bringen. Der Bereich Laser und Optik hängt stark von der sehr zyklischen Halbleiterindustrie ab. Dabei wollte der Vorstand durch den Verkauf der Reinraumtechnik die Abhängigkeit von dem stark schwankenden Geschäft mit der Chipindustrie eigentlich reduzieren. Die Sparte industrielle Messtechnik wird durch kleinere Zukäufe gezielt ausgebaut, das Geschäft mit der Verkehrssicherheit hat sich als sehr zyklisch erwiesen. Und im Bereich Mechatronik liefert Jenoptik Kunststoffnasen für den Eurofighter. Der kürzlich erhaltene Großauftrag mit einem Wert von 27 Millionen Euro lastet die Fertigungskapazitäten dieser Sparte zwar bis 2016 aus, bringt den Konzern insgesamt aber kaum weiter. Allein das Kurzprofil ausgewählter Beteiligungen auf der Internetseite von Jenoptik weist 15 Firmen aus – recht viel für einen Konzern, der nur noch rund 520 Millionen Euro Umsatz erzielt. Zwar ist Jenoptik nicht mehr der unübersichtliche Gemischtwarenladen, den Gründervater Lothar Späth nach der Wende zusammengekauft hatte, doch noch immer beklagen Analysten eine zu geringe Fokussierung.

Zudem ist der Konzern nach wie damit beschäftigt, die Vergangenheit zu bewältigen. Neben dem schwachen Sensorgeschäft ist die Tilgung einer Anleihe Hauptgrund für das schlechte Ergebnis für 2007. Jenoptik hat es knapp zehn Millionen Euro gekostet, um eine hochverzinsliche und damit teure Anleihe vorzeitig zu tilgen. Das Zinsergebnis war mit minus 30 Millionen Euro tiefrot. Und nach wie vor ist die Nettofinanzverschuldung mit 200 Millionen Euro hoch.

Die Wachstumschancen bleiben für Jenoptik weiter begrenzt, zumal der Abbau der Schulden weiter Priorität hat. Das Unternehmen, das einmal 2,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt hat, wird auf längere Zeit ein Mittelständler bleiben. Der Vorstand gab bei der Vorlage der Jahreszahlen das Ziel vor, jährlich um zehn Prozent zu wachsen und mittelfristig einen Umsatz von einer Milliarde Euro zu erreichen. Doch er schränkte gleichzeitig ein, dass sich das konjunkturelle Umfeld nicht signifikant verschlechtern dürfe. Zuversicht klingt anders. Es scheint als sei Jenoptik noch immer nicht krisenfest.

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