Inside: Kampa
Heuschrecke sei Dank

Wilfried Kampa hat keine Angst vor Heuschrecken. Im Gegenteil, der 67-jährige Familienunternehmer aus dem westfälischen Minden hat seinen Mehrheitsanteil an dem Fertigungsspezialisten Kampa – einer der größten Deutschlands – für 38,7 Millionen Euro an den Finanzinvestor Triton verkauft. Damit hat er die richtige Entscheidung getroffen.

DÜSSELDORF. Kampa sieht damit seinen schon seit längerer Zeit geplanten Rückzug aus dem Bauunternehmen auf „verantwortliche und für alle Seiten sinnvolle Weise vollzogen“. Kampa hat keine eigenen Kinder und will sein Lebenswerk in sichere Hände geben. Mit Triton glaubt er den starken, zuverlässigen und längerfristig orientierten Investor gefunden zu haben, dessen Know-how und Kapitalkraft Kampa neue Perspektiven eröffnet.

Wilfried Kampa hat gut entschieden. Mit Triton, einem europäischen Private-Equity-Investor, hat nun ein professioneller Investor das Sagen, der nur einem Ziel verpflichtet ist: den Wert von Kampa zu steigern. Bei dem Familienunternehmen ist die Normalität des Kapitalmarkts eingekehrt. Denn Triton ist offenbar anders als die meisten Heuschrecken. Im Vordergrund steht nicht die schnelle Mark sondern der langfristige Erfolg. Dies hat Triton als Partner zum Beispiel des Fensterherstellers Weru seit 1997 unter Beweis gestellt.

Gemeinsam mit dem bisherigen Management will Triton den Turnaround der Kampa-Gruppe vollenden, das Unternehmen nachhaltig in die Gewinnzone zurückführen und neue Wachstumsmärkte erschließen. Die vom Vorstand bereits eingeleiteten Maßnahmen sollen fortgeführt werden – aber zügiger als bislang möglich.

Dies scheint auch erforderlich. Denn Kampa-Chef Elmar Schmidt peilt eine Umsatzrendite vor Steuern von sechs Prozent an. Bis wann, lässt er zwar offen, deutet aber an, dass Triton Dampf macht. Denn nach neun Monaten schreibt Kampa Verluste, will aber trotzdem im Gesamtjahr ein positives Ergebnis und zwei Prozent Rendite erzielen. Eine eher stabile Entwicklung angesichts einer anziehenden Baukonjunktur und einem Boom bei Einfamilienhäusern. Zwar verzögerte ein langer Winter Fertigstellungstermine und drücken steigende Rohstoffkosten auf das Ergebnis. Doch damit müssen alle in der Branche klarkommen. Kampa fehlt es auch an Größe, um diesen plötzlichen Bauboom zu beherrschen, der durch Vorzieheffekte wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung ausgelöst wurde. Mehr Häuser kann Kampa nicht bauen.

Bescheiden fällt auch der Blick in die Zukunft aus – trotz eines hohen Auftragsbestands. Bereinigt um den Vorzieheffekt nimmt die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser in Deutschland ab. Schlimmer noch: Nach dem Hoch droht ein kräftiges Tief. 2007, spätestens 2008 wird sich das negativ auf den Umsatz auswirken.

Die Heuschrecke kommt da wie gerufen. Kampa muss wachsen und zwar rasch. Dies geht nur durch Übernahmen im In- und Ausland. Triton hat bereits Unterstützung signalisiert. Wohl dem, der einen Finanz-Investor an seiner Seite hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%