Inside: Karmann
Keine Alternative in Sicht

Selten ging eine Debatte so an der Realität vorbei wie die um die Zukunft von Karmann. Dabei stehen die Fakten fest: In der kommenden Woche wollen Unternehmensspitze und Betriebsrat die Rahmenbedingungen des Sozialplans für den traditionsreichen Autozulieferer verabschieden; Anfang 2008 sollen die Mitarbeiter wissen, wer gehen muss.

DÜSSELDORF. Gewerkschafter und Politiker erwecken den Eindruck, als seien die 1 770 gestrichenen Arbeitsplätze im Fahrzeugbau in letzter Minute durch einen spektakulären Vertragsabschluss zu retten. Zuletzt zeigte sich Niedersachsens wahlkämpfender CDU-Ministerpräsident Christian Wulff enttäuscht darüber, dass BMW die Geländeversion des Mini beim Konkurrenten Magna Steyr bauen lässt. Dabei konnte Karmann nicht ernsthaft davon ausgehen, Magna auszustechen.

Das öffentliche Spiel mit den Hoffnungen der Betroffenen nützt niemandem. Die Österreicher hatten schlicht die bessere Ausgangsposition. Sie bauen den kompakten Geländewagen X3 für BMW. Den Nachfolger werden die Münchner ab 2010 in ihrem US-Werk in Spartanburg montieren. Eine Kompensation stand im Raum. Dass der frühere BMW-Entwicklungschef Burkhard Göschel heute bei Magna Verantwortung trägt, tat ein Übriges.

Sollte es Karmann gelingen, einen Auftrag bei Kia & Co. für die Zeit nach 2010 an Land zu ziehen, ist das für die um ihre Jobs bangenden Mitarbeiter trotzdem zu spät. Die Mühsal des Klinkenputzens bleibt aber unerlässlich: Liegt ein Abschluss bis Juli 2008 vor, sichert das Beschäftigung – und zwar die von weiteren 750 Karmann-Mitarbeitern in der Sparte Fahrzeugbau, die derzeit den 2009 auslaufenden Mercedes CLK montieren.

Es geht bei Karmanns Fahrzeugbau um gesundschrumpfen oder aufgeben, aber nicht um den Erhalt des Status quo. Im vergangenen Jahr liefen an den beiden Standorten in Osnabrück und Rheine 48 120 Fahrzeuge vom Band. Die Karmann-Manager wissen, dass diese Dimension nicht mehr zu halten sein wird. Sie rechnen mit bestenfalls 40 000 Autos jährlich.

Eine Alternative zum Strukturwandel ist nicht in Sicht. Allerdings greift die Formel Karmann gleich Fahrzeugbau gleich Untergang zu kurz. Die Unternehmenssparten Cabriodächer, Entwicklung und Betriebsmittelbau berührt die Krise kaum. Im Gegenteil: Bis 2012 will Karmann die Zahl der ausgelieferten Cabriodächer auf 340 000 pro Jahr verdoppeln.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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