Inside: Klöcker & Co.
Vom Markt getrieben

Zwanzig Prozent Kursverlust an einem Tag sind kein Grund zur Tagesordnung überzugehen. Selten bestraft die Börse ein Unternehmen für eine gesenkte Ergebnisprognose so hart wie im Fall von Klöckner & Co. Bei den Anlegern hat das Unternehmen viel Vertrauen verspielt.

DÜSSELDORF. Vor einer Woche gab der Duisburger Stahlhändler bekannt, die selbst gesteckten Ziele für 2007 zu verfehlen. Wollte Klöco bisher ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 395 Millionen Euro erreichen, so liegt die Messlatte nun zehn Prozent darunter. Vorsichtig geschätzt soll nun am Stichtag ein operatives Ergebnis für 2007 von 355 Millionen Euro stehen.

Eine nach untern revidierte Gewinnprognose ist für sich genommen noch keine Katastrophe. Zumal Klöco davon ausgeht, 2007 immer noch das zweitbeste Resultat in der 101-jährigen Firmengeschichte zu erreichen. Doch peinlich ist der Vorgang allemal. Obendrein hat das Unternehmen viel Vertrauen bei den Anlegern verspielt. Denn anders als zu erwarten war, folgte auf den Kurseinbruch keine Gegenreaktion. Im Gegenteil, die Klöco-Aktie sackte weiter ab. Erst am gestrigen Montag zählte das Papier wieder zu den Gewinnern. Für die Anleger ein schwacher Trost. In nur einer Woche haben sie unter dem Strich mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren.

Wie ist diese heftige Reaktion zu erklären? Zum einen war Klöco bis zum Sommer eine echte Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen, das in der jüngsten Vergangenheit mehrere Eigentümerwechsel überstand und dabei einmal fast Pleite war, startete im Juni 2006 bei 16 Euro je Aktie an der Börse. Das Geschäftsmodell verfing, der Kurs stieg nach der Aufnahme in den SDax im September 2006 immer schneller. Im Januar rückte Klöco folgerichtig in den MDax auf.

Als größter produzentenunabhängiger Stahlhändler in Europa treibt das Unternehmen die Konsolidierung in der zersplitterten Branche voran und übernimmt pro Jahr zehn bis zwölf kleinere Konkurrenten. Dabei bilden das fünf- bis sechsfache des Ebitda die Preisobergrenze. Die Integration klappt meist reibungslos, schnell sind wegen der größeren Einkaufsmacht von Klöco deutliche Kostenvorteile erzielt. Mehr als sechs Millionen Stahl kauften die Duisburger 2006 bei den Produzenten ein. Das ist mehr, als der Automobilhersteller VW pro Jahr benötigt.

Abnehmer der Ware sind 200 000 Kunden insbesondere aus den Branchen Maschinenbau und Bauwirtschaft.

Im Sommer kannte die Euphorie der Börse keine Grenzen. Als der Kurs auf 64 Euro kletterte, schraubten einige Analysten ihre Gewinnschätzungen hoch. JP Morgan etwa unterlegte noch im August eine Kaufempfehlung mit einem Ergebnis von 473 Millionen Euro in diesem Jahr. Damit waren überzogene Erwartungen im Markt, die das Unternehmen beim besten Willen nicht erfüllen konnte. Klöco selbst hielt nie mehr als 395 Millionen Euro für realistisch.

Dennoch gibt es Anlass für Kritik: Die Gewinnwarnung, ausgelöst durch den Rutsch der Edelstahlpreise seit Juli, kam zu spät, außerdem hat sich das Management vom Kapitalmarkt treiben lassen. Wären die Herren bei der Prognose vom Jahresanfang geblieben – 355 Millionen Ebitda– hätten sie alles richtig gemacht. In Zukunft sollte Klöco deshalb stets weniger versprechen, als das Unternehmen mit Sicherheit erreichen kann.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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