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Knorr Bremse: Der Schleudertest

Knorr Bremse, Weltmarktführer für Lkw- und Zugbremsen, steht vor dem Härtestet. Jahrelang ist der Münchener Konzern rasant gewachsen, jetzt muss der Zulieferer scharf in die Eisen gehen.
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MÜNCHEN. Vollbremsungen sind ein Härtetest für Mensch und Material. Greifen die Klötze in die Scheibe können schon einmal die Funken fliegen und die Passagiere ordentlich durchgerüttelt werden. Dem Fahrer schießt das Adrenalin ins Blut, er braucht gute Nerven. Daher bleiben solche Manöver für Notfälle vorbehalten.

Knorr Bremse steht vor solch einem Härtestet. Der massive Einbruch im Kerngeschäft Lkw-Bremsen wird zur Schleuderfahrt für das Unternehmen und seinen Vorstandschef Raimund Klinkner.

Um mindestens 40 Prozent, schlimmstenfalls sogar um 60 Prozent wird der Umsatz mit Lkw-Bremsen in diesem Jahr einbrechen, sagt Klinkner. Zum Glück ist Knorr Bremse auch stark im Geschäft mit Zugbremsen, das bislang einigermaßen stabil läuft. Tritt jedoch die finstere Prognose für das Lkw-Geschäft ein, könnte Knorr Bremse 2009 eine von bisher drei Umsatzmilliarden verlieren. Da quietschen die Reifen richtig.

Doch Klinkner geht zuversichtlich in den Schleudertest. Knorr Bremse werde trotz der dramatischen Situation nicht in die roten Zahlen rutschen, versichert der ehemalige Gildemeister - und Porsche-Manager. Es raucht aber schon mächtig: Nachdem man 2008 noch kräftig eingestellt hat, werden jetzt 1 000 Arbeitsplätze abgebaut. Ein Teil der übrigen 14 000 Beschäftigten geht in Kurzarbeit. Ziel sei es, in der Krise möglichst viele Spezialisten und Facharbeiter an Bord zu halten, sagt Klinkner. Die Strategie sei langfristig angelegt.

Das ist kein leeres Gerede. Klinkner, gerade zwei Jahre im Unternehmen, ist ausführendes Organ des Alleineigentümers Heinz Hermann Thiele. Nach langer Suche hatte sich der Firmenpatriarch für den Logistikprofessor als neuen Vorstandschef entschieden. Gemeinsam mit Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer wacht Thiele als Aufsichtsratsvorsitzender über seinen Nachfolger. Thiele, der den einst provinziellen Zulieferer mit finanzieller Hilfe der Deutschen Bank durch eine riskante Einkaufstour zum Weltmarktführer aufgebaut hat, ist entschlossen, sein Lebenswerk in der Spur zu halten.

Die Chancen dafür stehen gut. Die Eigenkapitalquote liegt bei komfortablen 36 Prozent, die Nettofinanzschulden sind mit 136 Millionen Euro - das entspricht 21,4 Prozent des Eigenkapitals - überschaubar. Im Gegensatz zu manch anderem börsennotierten Zulieferer kann Knorr Bremse eine Durststrecke im Lkw-Geschäft überstehen. Die Phantasie liegt im Moment ohnehin auf der Schiene. Als einziger europäischer Hersteller liefert Knorr Bremse für die japanischen Hochgeschwindigkeitszüge. China hat ein milliardenschweres Schienenfahrzeugprogramm aufgelegt. Die Bremsen dafür kommen überwiegend aus München.

Um nicht den Anschluss zu verlieren, gilt es nach einer Vollbremsung schnell wieder Fahrt aufzunehmen. Knorr Bremse hat viel Erfahrung mit solchen Manövern.

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