INSIDE: Kraft Foods: Nicht alles Käse

INSIDE: Kraft Foods
Nicht alles Käse

Wird der Nahrungsmittel-Riese Kraft Foods nach seiner Abspaltung vom US-Tabakkonzern Altria zum Jäger oder zum Gejagten? Klar ist bisher nur: Er wird frei – für beide Optionen. Zwar ist er immer noch ein Schwergewicht. Aber Größe allein ist kein Schutz.

NEW YORK. Investoren werden heute sehr genau zuhören, wenn Vorstandschefin Irene Rosenfeld ihre Strategie für die Zeit nach dem 30. März 2007 präsentiert. An diesem Tag wird der Marlboro-Hersteller Altria seine 89prozentige Kraft-Beteiligung an seine Aktionäre abgeben – in Form von 0,7 Kraft-Aktien pro Altria-Schein. Danach kann der amerikanische Nestlé-Rivale, dem der Zigarettenqualm des Mutterkonzerns ausgesprochen schlecht bekommen ist, tief durchatmen. Frische Luft hat der zweitgrößte Nahrungsmittelproduzent der Welt bitter nötig.

Tabak und Milch, Kaffee oder Käse – die Mischung war nicht nur auf den ersten Blick ungesund. Kraft Foods habe unter dem Altria-Dach keine Innovationskraft entfalten können, monieren Analysten seit Jahren. So hat die 1903 von James L. Kraft gegründete Firma wichtige Trends in der Nahrungsmittelindustrie nach der Jahrtausendwende verpasst: Margenstarke Bioprodukte etwa oder preisgünstige Handelsmarken, die in vielen Supermärkten besser laufen als Kraft-Produkte.

Nach enttäuschenden Ergebnissen jagt ein Restrukturierungsprogramm das nächste. 8.000 Jobs stehen weltweit auf der Kippe, 20 Werke sollen geschlossen werden. Damit will Kraft nachhaltig 700 Millionen Dollar einsparen. Dabei liest sich die Speisekarte des Konzerns noch immer so, als könne er spielend jeden Haushalt der westlichen Welt erobern: Jacobs Kaffee und Kaffee Hag, Milka-Schokolade und Toblerone, Philadelphia-Käse, Miracoli und Miracle Whip – Nudeln, Käse und Ketchup der eigenen Konzernmarke nicht zu vergessen.

Trotz stagnierender Umsätze und sinkender Margen ist Kraft ein Schwergewicht geblieben. Firmenangaben zufolge bringen mehr als 50 Kraft-Produkte jeweils mehr als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz auf die Waage. 2006 setzte der Konzern 34,4 Milliarden Dollar um, der Gewinn lag bei 3,1 Milliarden.

Doch schiere Größe allein ist kein Schutz mehr in Zeiten, in denen Finanzinvestoren mit immer neuen Milliarden gefüttert werden wollen und hungrig sind auf das nächste Rekordgeschäft. Wird der gefesselte Riese wirklich zum Übernahmekandidaten, sobald er frei laufen darf? Wall Street ist sich einig: Kraft wäre zwar ein schwerer Brocken, aber von einem großen Konsortium durchaus zu packen.

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