Inside: Kuka
Erfolg in aller Stille

2007 war ein gutes Jahr für den Maschinen- und Roboterhersteller. Nach viel Wirbel und extremen Transformationen ist man in Augsburg zur ruhe gekommen. Anstatt massiver Übernahmen könnten jetzt kleinere Zukäufe die richtige Strategie sein.

DÜSSELDORF. Es ist ruhig geworden um die Kuka AG. Von dem raubeinigen US-Investor Guy Wyser-Pratte hat man beim Maschinen- und Roboterhersteller in Augsburg schon lang nichts mehr gehört, das Management arbeitet, die Analysten sind zufrieden. Alles läuft genau so, wie es laufen soll.

Das Jahr 2007 hat Kuka gut getan. Wenn sich weder die Vorstände in den Haaren liegen, noch der Großaktionär ständig dazwischen funkt, bringt das Entspannung in die Belegschaft. Und doch steht die Frage im Raum: Was macht Kuka mit der vollen Kasse?

Heute legt das Management die Zahlen für 2007 vor und Analysten erwarten, dass dann 150 Millionen Euro Cash in der Bilanz stehen. Das Unternehmen ist schuldenfrei. Jetzt müssten wir langsam Mal unsere Übernahmepläne durchziehen, heißt es in Augsburg. Sonst kommen die Aktionäre noch auf die Idee mit der Sonderdividende.

Die wäre eine Ironie der Geschichte. Nach einer langen Strategiedebatte machte der Konzern, der damals noch IWKA hieß, 2007 einen Schnitt und trennte sich vom Verpackungsgeschäft mit 400 Millionen Euro Umsatz. Zuvor verkaufte er alle verlustreichen Töchter. Übrig blieb nur noch das Roboter- und Anlagenbaugeschäft von Kuka – und dieses sollte mit Zukäufen ausgebaut werden.

Doch bislang geschah nichts. Hat Kuka einfach noch nicht den richtigen Übernahmekandidaten gefunden? „Wir werden nichts kaufen, nur um etwas gekauft zu haben“, lautet die offizielle Antwort aus Augsburg. Und tatsächlich gibt es derzeit keinen zwingenden Übernahmekandidaten. Hinzu kommt eine zweite Hürde. Kuka hat eine extreme Transformation hinter sich. Die Holding wurde reduziert, der Vorstand verkleinert. Vom Umsatz her hat sich der Konzern seit 2004 fast halbiert. Manche halten Kuka nun für so schlank aufgestellt, dass für eine große Übernahme und die anschließende Integrationsarbeit schlicht die Managementkapazität fehle. Ein kleinerer Zukauf hier oder da – okay. Doch vielleicht wäre man besser beraten, das Geld in eigene Innovationen zu stecken.

Wenn Kuka 2008 keine massive Übernahme startet, wäre auch ein zweites Risiko ausgeräumt: Die Vorstände hinterließen ihren Nachfolgern keine Großbaustelle. Denn dass es 2009 einen Wechsel im Management geben wird, ist klar. Finanzvorstand Jürgen Koch scheidet zum 31. März 2009 aus. Dann enden auch die Verträge von Vorstandschef Gerhard Wiedemann und Robotervorstand Bernd Liepert. Wiedemann ist dann 62 und wird wohl nicht neu antreten. Ob Liepert, heute 45, übernehmen soll, steht noch nicht fest.

Der Aufsichtsrat muss die Nachfolge sorgfältig vorbereiten, damit er nicht wieder eine Blamage erlebt wie 2006. Damals blitzte Aufsichtsratschef Rolf Bartke ab, weil er seinen Kandidaten ohne Absprache mit der Mitarbeiterseite im Kontrollgremium durchdrücken wollte. Man einigte sich schließlich auf Wiedemann – den Mann, den die Mitarbeiter schon ein Jahr vorher vorgeschlagen hatten. Der Erfolg von Kuka 2007 gibt ihnen Recht.

iwersen@handelsblatt.com

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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