Inside: Lanxess
Wo bleibt die Übernahme?

Seit der Abspaltung von Bayer hat das Chemieunternehmen Lanxess viel getan, um die eigene Rentabilität zu steigern. Doch zählbare Erfolge blieben bisher aus. Die Skepsis der Anleger gegenüber der Aktie des Konzerns überrascht dabei jedoch sogar die Experten - auch wenn eine Expansion längst überfällig scheint.

FRANKFURT. Der Name des Leverkusener Chemiekonzerns Lanxess ist zusammengesetzt aus den beiden Wörtern "lancer" (französisch für "in Gang bringen") und "success" (englisch für "Erfolg"). Wenn man die jüngst vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal mit dem Verlauf des Aktienkurses der vergangenen Wochen vergleicht, so möchte man rückschließen, dass es dem Vorstandsvorsitzenden Axel C. Heitmann und seinen Mitstreitern seit der Abspaltung von Bayer im Januar 2005 zwar durch umfangreiche Kostensenkungsmaßnahmen und Portfoliobereinigungen durchaus gelungen ist, die Profitabilität deutlich zu verbessern und damit das Unternehmen in Gang zu bringen. Doch der (nachhaltige) Erfolg ist noch nicht belegt.

Was macht die Anleger so skeptisch, dass der Kurs der Aktie seit Mitte August vom Allzeithoch 43,50 Euro auf inzwischen unter 30 Euro gefallen ist? An den Bewertungen der Analysten kann es eigentlich nicht liegen. "Die vorgelegten Zahlen haben insgesamt leicht über den Erwartungen gelegen", wertet die AC Research. Dabei habe man es sogar noch als besonders positiv empfunden, dass es dem Unternehmen gelungen sei, im traditionell eher schwachen dritten Quartal mit 10,2 Prozent erstmals eine zweistellige operative Marge (Ebitda) vor Sondereinflüssen zu erwirtschaften. Steigende Energie- und Rohstoffkosten habe Lanxess vollständig weitergeben können. Und bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn sei Lanxess nicht überbewertet. Zumal selbst die KGVs von Konkurrenten wie BASF (knapp zwölf), Clariant (unter sieben) oder DSM (knapp elf) nicht nennenswert besser ausfallen.

Skeptischer sind da mehrere Investmenthäuser, die die Lanxess-Aktie vor dem Hintergrund des schwachen Dollars auf Talfahrt schickten. Die Devisenentwicklung dürfte sich vor allem ab dem Jahr 2009 negativ bemerkbar machen, wenn die Kurssicherungs-Schutz wegfalle, lautet die Begründung.

Lanxess ist ein Anbieter von Spezialchemikalien. Diese sind bekanntermaßen abhängig von den Geschäften ihrer Kunden. Also sollte man sich in diesem Fall genauer ansehen, wem Lanxess überhaupt seine Produkte verkauft. Das Sortiment reicht von Festkautschuken, Kunststoffen sowie synthetischen Fasern über hochwertige Grund- und Feinchemikalien bis hin zu Chemikalien für die Leder-, Textil- und Papierindustrie. Da wird schon eher deutlich, was die Anleger so zurückhaltend macht. Lanxess zählt weltweit zu den größten Herstellern von Butyl- und Polybutadien-Kautschuk, die bei der Herstellung von PKW- und LKW-Reifen verwendet werden. Wobei der Verkauf von Reifen weniger von den Kfz-Zulassungen abhängig ist als von den tatsächlich gefahrenen Kilometern. Bei den historischen Rekordwerten der Benzinpreise fällt schon mal so manche Fahrt aus, es werden somit weniger Reifen verschlissen. Die Probleme mit den Kunden aus der Kunststoff-, Leder- und Textilchemie hat Heitmann insofern gelöst, als diese Geschäftsbereiche entweder ausgelagert oder verkauft wurden.

Bleibt die Frage, die Heitmann derzeit nicht beantworten kann: Wo bleibt die Wachstumsstory? Zwar wurden einige Investments in China, Indien, Südkorea und Südafrika angekündigt. Auch sollte die einstige Degussa mal übernommen werden. Doch so richtig ist Lanxess beim Thema Wachstum noch nicht vorangekommen. Vor genau einem Jahr hat Heitmann verkündet: "In den nächsten zwölf bis 24 Monaten sind größere Übernahmen denkbar." Bislang ließ sich er sich mit seinen Vorgaben beim Wort nehmen.

Beim Thema Übernahmen drängt daher die Zeit - damit der Lanxess-Chef nicht wortbrüchig wird und auch die Aktionäre wieder mehr Freude an der Aktie haben.

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