Inside Lufthansa
Austrian Airlines: Klotz oder nicht?

Der Schritt ist mutig. Mitten in der Krise der Branche übernimmt Lufthansa die österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines. AUA schreibt tiefrote Zahlen, mit zuletzt erschreckend steil steigender Tendenz. Schon jetzt ist klar: Die Alpen-Airline wird eine Herausforderung für das Lufthansa-Management - und das in schwierigen Zeiten.
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FRANKFURT. Gestern erst musste Lufthansa einen Rückgang der Passagierzahlen im November um 2,3 Prozent auf 5,46 Millionen melden. Wird AUA also zum Klotz am Bein des Kranichs? Eine Antwort fällt schwer. Da ist zunächst die finanzielle Seite des Deals. Lufthansa zahlt der österreichischen Staatsholding OIAG für 41,56 Prozent an der AUA den symbolischen Preis von 366 000 Euro. Entwickelt sich AUA wieder deutlich besser und steigt die Lufthansa-Aktie noch dazu stärker als die der Rivalen, kommen bis zu 162 Millionen Euro hinzu, die der OIAG über einen Besserungsschein zufließen.

An den Streubesitz muss der Kranich zudem weitere 215 Millionen Euro zahlen. Das ergibt einen Preis von 377 Millionen Euro. Angesichts einer Kriegskasse von zuletzt 3,4 Milliarden Euro ist die Akquisition damit auf den ersten Blick für Lufthansa locker zu stemmen.

Nicht enthalten in einer solchen Rechnung sind freilich die Belastungen durch aktuelle und künftige Verluste bei AUA sowie deren Schulden, die bei einer Übernahme von mindestens 75 Prozent künftig in der Bilanz verarbeitet werden müssten. Auf der Schuldenseite stehen per 30. September Verbindlichkeiten von fast 904 Millionen Euro. Davon wird, die Zustimmung der EU-Kommission vorausgesetzt, der österreichische Staat 500 Millionen Euro übernehmen, 400 Millionen Euro bleiben für die Lufthansa. Negativ wird sich zudem der operative Verlust von AUA niederschlagen. Alleine für dieses Jahr kalkuliert das AUA-Management mit einem Betriebsverlust von 475 Millionen Euro. Experten schätzen, dass bei einer 100-prozentigen Übernahme der AUA das Ergebnis der Lufthansa um etwa zehn Prozent gedrückt würde.

Die Frage ist, was Lufthansa für diese Belastungen als Gegenleistung erhält. Die Synergieeffekte sind begrenzt. Schon heute ist AUA ein enger Partner der Lufthansa und seit 2000 Mitglied im Code-Share-Programm Star Alliance. Potenzial bietet allenfalls die Kostenseite: AUA kann bei vielen Kostenpunkten Dienste der neuen Mutter nutzen. Das bedeutet zwangsläufig, dass harte Einschnitte nicht zuletzt im administrativen Bereich von AUA notwendig sind, auch wenn darüber derzeit keiner so recht reden mag.

Auch dann allerdings wird es lange dauern, bis sich die Transaktion finanziell rechnet. So bleibt die Erkenntnis, dass die AUA-Übernahme in allererster Linie eine strategische Motivation hat: Lufthansa hat den Erzrivalen Air France-KLM auf Distanz und vom Zugang zu den lukrativen Osteuropastrecken ferngehalten. Der dafür gezahlte Goodwill ist auf den ersten Blick überschaubar. Auch er rechnet sich langfristig allerdings nur dann, wenn AUA kein dauerhafter Klotz am Bein der Lufthansa-Bilanz bleibt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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