Inside: MAN
Bitte schön freundlich

MAN musste sein Gebot für den schwedischen LKW-Bauer Scania zurückziehen – aber die Fusion ist noch nicht vom Tisch. Nach dem Einstieg von VW bei MAN wünscht Konzernübervater Ferdinand Piëch eine friedliche Einigung zwischen den beiden Kontrahenten. Sonst wackeln die Stühle der Vorstandschefs.

MÜNCHEN. Der bislang verregnete Sommer hat manch segensreiche Wirkung. Erhitzte Gemüter wurden gekühlt. Der Regen spült Schadstoffe wie Schwefel und Pulverdämpfe aus der Luft.

Davon gab es für MAN-Chef Hakan Samuelsson in den vergangen Monaten genug. Exakt vor einem Jahr saß der Schwede Samuelsson mit seinem ehemaligen Chef Leif Östling an einem Tisch und redete über eine Fusion der LKW-Hersteller MAN und Scania. Doch an irgendeinem Punkt – man darf vermuten es ging um die Führungsfrage – war dann Schluss mit den Gemeinsamkeiten, Scania verweigerte sich. MAN, selbst von Hedge-Fonds anvisiert, legte ein Übernahmeangebot für Scania vor. Monatelang versuchte Samuelsson die Scania-Großaktionäre VW und die schwedische Finanzholding Investor zu einem Verkauf zu überreden. Doch insbesondere Investor und das Scania-Management wiesen das Angebot als feindlich zurück. Es folgte eine Menge Theaterdonner, MAN musste sein Angebot zurückziehen. Seitdem gilt eine „Cool-off-Phase“: Die Gemüter sollen sich für einen neuen Anlauf abkühlen.

Denn die Fusion ist nicht vom Tisch. Samuelssons Vision von einem starken LKW-Konzern neben Daimler und Volvo passt in die Vorstellungen von Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef und indirekter Großaktionär des Volkswagen-Konzerns. Jahrelang saß VW auf 34 Prozent der Scania-Anteile, bisher totes Kapital aus Wolfsburger Sicht. VW wiederum braucht starke Partner für sein brasilianisches Truckgeschäft, das alleine auf dem Weltmarkt kaum eine Zukunft hat.

Doch der Österreicher Piëch machte dem Schweden Samuelsson einen Strich durch die Rechnung. Der eigenwillige VW-Aufsichtsratschef schasste mitten in der Übernahmeschlacht seinen Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, der Samuelsson zuvor Unterstützung zugesichert hatte. Stattdessen kaufte VW hinter Samuelssons Rücken knapp 30 Prozent von MAN, Mitte Mai ließ sich Piëch auch zum Aufsichtsratschef des Münchener Mischkonzerns küren. Da VW gleichzeitig mit Martin Winterkorn den Scania-Aufsichtsratschef stellt, heißt die Regieanweisung an MAN und Scania seitdem: Bitte recht freundlich zueinander.

Und so sondiert Samuelsson die Chancen für einen neuen Anlauf – unter den wachsamen Augen seines neuen Chefkontrolleurs Piëch. Sachthemen sollen im Vordergrund der Gespräche mit Scania stehen, die offiziell noch gar nicht begonnen haben. 500 Millionen Euro Synergien ließen sich pro Jahr heben, wenn Entwicklung und Vertrieb zusammengelegt würden, sagt MAN. Der fusionierte, 25 Milliarden Euro schwere Konzern könnte nach dem Muster einer europäischen Aktiengesellschaft organisiert werden, das mindert schwedische Befürchtungen, untergebuttert zu werden. Beschäftigungsgarantien für die deutschen Werke machen die IG Metall gefügig.

Die kann Samuelsson für die kommenden Jahre auch getrost ausstellen. Die Zeiten für LKW-Hersteller sind goldene. Scania und MAN haben die Bücher voll, und mit der guten Konjunktur ist ein Ende des Booms derzeit nicht absehbar.

So begegnen sich die Kontrahenten auf Augenhöhe wieder. Samuelsson und Östling wissen, dass sie nur noch einen Versuch haben, Übervater Piëch wünscht eine Einigung. Sonst dürfte ein Herbststurm aus Wolfsburg die beiden LKW-Manager aus ihren Sesseln fegen.

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