Inside: Miele
Klammheimlicher Treuebruch

Miele ist eine der bekanntesten deutschen Marken. Sie steht für Zuverlässigkeit, Haltbarkeit und deutsche Wertarbeit, „made in Germany“ eben. Auf dieses Image ist das Traditionsunternehmen aus Gütersloh stolz, es pflegt und verteidigt die hohe Wertschätzung beim Kunden. Jetzt gibt es allerdings Anzeichen, dass zumindest das „Made in Germany“ nicht mehr so hoch im Kurs steht.

DÜSSELDORF. Miele verlagert die Hälfte seiner Wäschetrockner-Fertigung ins Ausland. Eine der beiden Fertigungslinien soll im Sommer in das Werk Unicov in Tschechien verlegt werden. Das Familienunternehmen aus Ostwestfalen hört das Wort „Verlagerung“ nicht gern und spricht lieber vom Aufbau einer neuen Produktion. Einen Stellenabbau soll es nicht geben. Die 130 Beschäftigten, die bisher im Stammwerk mit der Trocknerfertigung beschäftigt waren, sollen demnächst für die Erweiterung der Produktion von Waschmaschinen eingesetzt werden.

Doch es bleibt die Tatsache, dass Miele erstmals große Mengen eines Kernproduktes in einem Billiglohnland fertigt. Bisher stellt das im Dezember 2003 eröffnete Werk Unicov vor allem so genannte Toplader-Waschmaschinen her. Diese von oben zu beladenden Geräte sind für Miele nur ein Nebengeschäft, ebenso wie andere Kleinserien aus tschechischer Produktion. Doch nun wird kräftig ausgebaut.

Vor knapp zwei Jahren betonte Geschäftsführer Markus Miele noch: „Unsere Geräte müssen aus Deutschland kommen.“ Ausländische und deutsche Händler wollten das so. Miele plante sogar, den Hinweis „made in Germany“ an prominenter Stelle auf den Geräten zu platzieren. Eine internationale Werbekampagne sollte das Gütesiegel besonders herausstellen. Umgesetzt wurde dies nur in einigen Ländern. Der Kunde kann bei Miele genauso wenig wie bei der Konkurrenz erkennen, wo sein neues Markengerät gebaut wurde.

Miele erzielt immer noch rund 90 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland, macht seinen Umsatz aber bereits zu 70 Prozent im Ausland. Andere Hausgerätehersteller haben schon sehr viel mehr Fertigung an billigere Standorte in Osteuropa verlagert. Electrolux hat erst dieser Tage in dem traditionsreichen Werk der Tochter AEG in Nürnberg die letzte Waschmaschine vom Band rollen lassen, weil die Fertigung in große Werke in Osteuropa verlagert worden ist. Bosch-Siemens hat seinen größten Fertigungsstandort inzwischen in der Türkei.

Die negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Schließung des Werkes Nürnberg haben der Marke AEG geschadet. Davon hat Miele profitiert. Das vergangene Jahr brachte dem 1899 gegründeten Unternehmen den bislang höchsten Umsatz. Der Gewinn dürfte ebenso gestiegen sein, Zahlen veröffentlicht die schweigsame Familienfirma traditionell nicht. Es zahlt sich aus, dass Miele nach den schwachen Jahren 2003 und 2004, als es in Deutschland einen Umsatzeinbruch gab, kräftig in die Fertigung und in neue Modelle investiert hat. Der Kunde ist wieder bereit, die hohen Preise der Modelle aus Gütersloh zu zahlen, weil er Premiumqualität erwartet und sicher auch eine Fertigung in Deutschland. Die gute Konsumkonjunktur hat auch geholfen. Aber Miele konnte besser abschneiden als die Konkurrenz.

Ob die Kunden weiter bereit sein werden, die Premiumpreise zu akzeptieren, wenn sich herumspricht, dass die Geräte nicht mehr alle aus deutscher Wertarbeit kommen, ist die große Frage. Die bisher so hoch gehaltene Treue zum heimatlichen Standort sollte als Verkaufsargument nicht unterschätzt werden.

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