Inside: Nordex
Für den Alleingang zu klein

Seit fast einem halben Jahr kommt die Aktie des Hamburger Windkraftanlagenbauers Nordex nicht vom Fleck. Noch im Mai kannte der Optimismus keine Grenzen. Vor allem der jüngste Anstieg des Ölpreises bereitet den Anlegern Kopfzerbrechen.

DÜSSELDORF. Getragen von der allgemeinen Euphorie für Unternehmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, erreichte die Notierung ihre diesjährige Bestmarke von 22,50 Euro. Doch dann machten viele Investoren Kasse, und der Nordex-Kurs sackte bis auf zehn Euro ab. Am gestrigen Donnerstag kostete das Papier 11,20 Euro.

Vor allem der jüngste, kräftige Rutsch des Ölpreises bereitet den Anlegern Kopfzerbrechen. Denn erst die starke Verteuerung des Ölpreises, der sich von Anfang 2004 bis Juli 2006 mehr als verdreifacht hatte, hat die erneuerbaren Energien konkurrenzfähiger gemacht und das weltweite Interesse für Windenergie geweckt. Weltweit gingen im vergangenen Jahr Windräder mit einer Leistung von 11 500 Megawatt ans Netz – ein Zuwachs gegenüber 2004 von satten 40 Prozent. Auch mittelfristig sind die Perspektiven günstig. Das angesehene dänische Beratungsunternehmen BTM Consult prognostiziert den Windradherstellern für die Jahre bis 2010 ein durchschnittliches Wachstum von 16 Prozent.

Treiber des Wachstums sind eine weltweit steigende Energienachfrage sowie eine verstärkte staatliche Förderung der Windenergie. Selbst in den USA, die bislang kaum Anstrengungen zum Klimaschutz unternommen haben, wurden die Steuervergünstigen für Windparkbetreiber bis Ende 2007 verlängert. Dort, in China und in Indien liegen die Zentren des künftigen Wachstums, während Europa sein bereits hohes Niveaus beibehalten wird. Deutschland dagegen wird weiter an Bedeutung verlieren. Der Markt ist seit 2002 rückläufig, der Bau von Windparks vor der Küste verzögert sich und das Repowering – der Ersatz von alten Windrädern durch leistungsfähigere neue – verzögert sich.

Das Abflauen des Windenergie-Booms in Deutschland wäre Nordex beinah zum Verhängnis geworden. Bereits 2003 stürzte das Unternehmen ab und verbuchte bei 250 Millionen Euro Umsatz einen fast ebenso so hohen Verlust. Nur mit Hilfe der Banken und neuer Aktionäre, darunter die Finanzinvestoren Capital Management Partners (26,7 Prozent) und Goldman Sachs (17,4 Prozent), gelang es, die drohende Pleite abzuwenden. Ein neuer Vorstand, der die Internationalisierung des Geschäfts forcierte, eine kräftige Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr und das günstige Branchenumfeld ermöglichten im ersten Halbjahr die Rückkehr in die Gewinnzone. Bereits vier von fünf Aufträgen holt Nordex jetzt im Ausland.

Ende August setzte der Vorstand die Ziele herauf: Mindestens 500 Millionen Euro Umsatz will Nordex 2006 erzielen, nach 309 Millionen im Vorjahr. Die Ebit-Marge soll drei Prozent erreichen. Für 2008 peilt das Unternehmen eine Ebit-Marge zwischen fünf und zehn Prozent sowie ein verdoppeltes Geschäftsvolumen von einer Milliarde Euro an.

Ob das dynamische Wachstum jedoch ausreicht, um auf Dauer eigenständig zu bleiben, steht auf einem anderen Blatt. Branchenkenner erwarten, dass schon bald eine Konsolidierungswelle einsetzen wird. Mit General Electric aus den USA und Siemens haben bereits zwei GroßKonzerne ihre Claims in der Windkraft abgesteckt. Und irgendwann werden die bei Nordex engagierten Finanzinvestoren aussteigen.

Nicht zuletzt diese Übernahmephantasie sollte der Nordex-Aktie eher früher als später Aufwind geben.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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