Inside: Norsk Hydro
Schützende Hand

Das norwegische Mischunternehmen Norsk Hydro ordnet sich neu: Nach der bereits beschlossenen Fusion der Energiesparte mit Statoil, gilt es nun, den dadurch alleinstehenden Aluminium-Konzern Norsk richtig zu positionieren – und vor einer Übernahme zu schützen.

STOCKHOLM. Die für Anfang Oktober geplante Fusion der Öl- und Gas-Sparten von Norwegens beiden großen Energiekonzernen, Statoil und Norsk Hydro, lässt viel Raum für Phantasie, was mit dem wichtigen Rest von Norsk Hydro, der Aluminium-Herstellung, geschieht. Unter dem neuen abgespeckten Namen Hydro wird der Aluminium-Konzern die Nummer drei auf dem globalen Markt für das Leichtmetall sein. Statt wie bisher auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, will sich Hydro ganz auf diesen Bereich konzentrieren.

Konzernchef Eivind Reiten hat sich lange darauf vorbereitet. Bereits vor vier Jahren brachte er die Düngemittelsparte seines Konzerns unter dem Namen Yara an die Börse. Das war der erste Schritt, aus dem Gemischtwarenladen einen globalen Player zu machen. Das Öl- und Gasgeschäft von Hydro ist zwar im Heimatland Norwegen eine Größe, doch international spielte dieser Bereich nur eine untergeordnete Rolle. Durch die Zusammenlegung mit der Statoil-Sparte entsteht jedoch der weltgrößte Offshore-Öl- und Gaskonzern. Die Fusion wurde denn auch von Analysten bejubelt und als längst überfällig bezeichnet.

Ab dem 1. Oktober wechselt die Hydro-Aktie an der Börse in Oslo vom Energie-Index in den Metall-Index. Umdenken ist also angesagt. Und das gilt auch für den neuen Konzern und seine Führungscrew. Zwar boomt derzeit die Nachfrage nach Aluminium und anderen Metallen durch den chinesischen Heißhunger, doch der norwegische Konzern muss sich bereits jetzt auf ein Abflauen der Nachfrage einstellen. Vor allem gilt es, sich kostengünstige Produktionsbedingungen zu suchen und zu sichern.

Die Aluminium-Herstellung ist äußerst energie-intensiv. Deshalb steht für alle großen Alu-Produzenten die Suche nach günstigeren Produktionsstandorten ganz oben auf der Agenda. Erste Schritte zur besseren Konkurrenzfähigkeit hat Hydro bereits unternommen und Produktionsanlagen im teuren Deutschland geschlossen. Da die Energiepreise für etwa ein Drittel der Alu-Herstellungskosten stehen, heißt es also, billige Energie zu finden. Im Heimatland Norwegen ist das zum Teil der Fall, immerhin bezieht der drittgrößte Öl-Exporteur der Welt seine eigene Energie nahezu zu 100 Prozent aus Wasserkraft. Doch noch kostengünstiger geht es auf Island, wo Strom aus geothermischen Quellen erzeugt wird. Kein Wunder, dass dort die Alu-Riesen Schlange stehen. Der US-Konzern Alcoa hat dort gerade ein Schmelzwerk für mehr als eine Milliarde Dollar gebaut. Hydro sondiert nun ebenfalls Möglichkeiten, mit den Isländern ins Geschäft zu kommen. Zu spät, meinen Kritiker und führen vor allem ins Feld, dass Hydro bereits vor einigen Jahren die falschen Weichen gestellt hat: Damals entschied man sich für den Bau eines gigantischen Alu-Schmelzwerks in Katar, das seine Energie aus Gas bezieht. Gut, diese Entscheidung wurde noch zu Zeiten getroffen, als Hydro auch ein Energie-Konzern war. Doch im Rückspiegel betrachtet, war es nicht die beste Wahl.

Reiten muss jetzt schnellstens seinen neuen Alu-Konzern richtig positionieren. Denn sonst ist die langfristige Existenz des Unternehmen gefährdet. Mit einem geschätzten Börsenwert 11,5 Milliarden Euro könnte Hydro schnell zu einem Übernahmeobjekt werden. So blättert der australische Minenkonzern Rio Tinto für die kanadische Alcan 38 Milliarden Dollar auf den Tisch.

Wenn Reiten allerdings alles richtig macht, wird Hydro zu den Jägern gehören. Vom 1. Oktober an leitet er ein Unternehmen ohne jede Verschuldung, kann also leicht und locker für Zukäufe Mittel frei machen. Zusätzliche Sicherheit verleiht außerdem der norwegische Staat als Hauptaktionär des Unternehmens. In der Vergangenheit hat er stets versucht, die einheimische Wirtschaft vor Zugriffen aus dem Ausland zu schützen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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