Inside: Novartis
Tanz auf vielen Hochzeiten

Rückschläge und Überraschungen gab es für den Pharmakonzern Novartis dieser Tage einige. Der schnelle Wechsel von Erfolg und Misserfolg belegt aber nicht nur die Unwägbarkeiten des Pharmageschäfts. Er wirft auch ein Schlaglicht auf die besonders weit greifende Strategie des Baseler Konzerns. Denn kaum ein anderes Unternehmen der Branche hat heute so viele Eisen im Feuer wie Novartis.

FRANKFURT. Novartis-Aktionäre erleben in diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Verzögerungen im Zulassungsverfahren für das Diabetesmittel Galvus sorgten Ende Februar für Enttäuschung, die US-Zulassung für das neue Bluthochdruck-Medikament wenig später für eine positive Überraschung. Doch mit dem Vermarktungsstopp für das Darmmedikament Zelnorm musste der Baseler Pharmariese am Freitag wieder einen Rückschlag einstecken.

Das Mittel gegen den so genannten Reizdarm (ein Symptom, das keineswegs alle Mediziner als Krankheit einstufen) hat in Europa gar nicht erst eine Zulassung erhalten und gehört nicht unbedingt zu den Grundpfeilern des Novartis-Geschäfts. Mit mehr als einer halben Milliarde Dollar Umsatz in den USA und der Aussicht auf Blockbuster-Status lieferte es rund zwei Prozent und immerhin einen gewissen Wachstumsbeitrag, der nun entfällt.

Der schnelle Wechsel von Erfolg und Misserfolg belegt nicht nur die Unwägbarkeiten des Pharmageschäfts. Er wirft auch ein Schlaglicht auf die besonders weit greifende Strategie des Baseler Konzerns. Denn kaum ein anderes Unternehmen der Branche hat heute so viele Eisen im Feuer wie Novartis. Von Augenmedikamenten bis Zytostatika, von biotechnischen Spezial-Wirkstoffen bis hin zu Herzkreislaufmitteln für den Allgemeinmediziner, von Generika bis Impfstoffe engagiert sich die weltweite Nummer vier der Pharmaindustrie inzwischen in praktisch in allen Segmenten des Marktes. Ganz zu schweigen von Sparten wie OTC, Tiergesundheit, Ciba-Vision (Kontaktlinsen) und dem Ernährungsgeschäft der Sparte Gerber.

Novartis-Chef Daniel Vasella streut die Risiken und nimmt zwangsläufig in Kauf, dass die Zahl der möglichen Fehlschläge wie der möglichen Erfolge zunimmt. Er ist damit in den vergangenen Jahren nicht schlecht gefahren. Seit man die Fusionswirren der 90er Jahre hinter sich gelassen hat, konnte Novartis auf globaler Ebene etwa 1,2 Prozentpunkte Marktanteile hinzugewinnen, schätzungsweise die Hälfte davon durch organisches Wachstum.

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