Inside: Novartis
Warten auf die Wende

Nur eine Delle oder doch eine ausgeprägte Schwächephase? Mit dieser Frage müssen sich in diesen Tagen die Aktionäre von Novartis auseinandersetzen. Ähnlich wie etliche Konkurrenten ist der Baseler Konzern ausgerechnet in seiner wichtigsten Sparte, dem innovativen Pharmageschäft, deutlich aus dem Tritt geraten. 2008 soll es wieder aufwärts gehen.

FRANKFURT. Vier Patentverluste (davon zwei unerwartet), der Vertriebsstopp für das Darmmedikament Zelnorm sowie die fehlende US-Zulassung für das Diabetesmittel Galvus haben Bremsspuren hinterlassen, die heftiger ausfallen als noch vor einigen Monaten erwartet. Für das dritte Quartal musste Firmenchef Daniel Vasella auf währungsbereinigter Basis erstmals seit Jahren rückläufige Pharmaumsätze melden. Und für die nächsten Quartale sieht es nicht viel günstiger aus.

Dass die anderen Sparten des Konzerns besser vorankommen, ist vor diesem Hintergrund nur ein schwacher Trost. Die Diversifikationsstrategie der letzten Jahre, die unter anderem zu Zukäufen im Generika-, Impfstoff- und Diagnostik-Geschäft führte, kann die Schwächen der Pharmasparte aus Sicht der meisten Investoren nicht kompensieren. Die Novartis-Aktie steht daher weiter unter Druck und hat auf Jahresbasis inzwischen rund ein Fünftel an Wert verloren. Ohne eindeutige Signale für eine Trendwende im Arzneimittelgeschäft kann das Novartis-Management offenbar kaum auf größeres Wohlwollen hoffen.

Dass die Manager in Basel diese Entwicklung inzwischen nicht mehr auf die leichte Schulter nimmt, zeigt der geplante Personalabbau in den USA und eine überraschende Personalrochade im Topmanagement: Der Pharma- und der Consumer-Health-Chef tauschten ihre Posten. Bei Licht besehen, ist das Manöver freilich nicht viel mehr als eine Geste, die Aktivität signalisiert. Kurzfristig umsteuern lässt sich ein Pharmageschäft weder mit solchen Maßnahmen noch mit härteren Einschnitten. Die entscheidenden Weichen für das aktuelle Geschäft wurden weit zurück in der Vergangenheit gestellt, mit Entscheidungen über Wirkstubstanzen, Therapiegebiete, klinische Studien und Patentstrategien. Hinzu kommen externe Faktoren, die sich dem Einfluss der Branche entziehen, etwa das wachsende Sicherheitsdenken der Zulassungsbehörden und die zusehends aggressiveren Strategien der Generikahersteller.

Dass Vasella auch strategisch behutsam umsteuert, zeigen am ehesten noch die Pläne für eine neue Einheit für Biologicals. Novartis baut damit das Engagement bei therapeutischen Proteinen weiter aus, einem Spezialbereich, in dem der Konkurrent Roche derzeit besonders große Erfolge feiert und der besseren Schutz vor Generika-Konkurrenz verspricht. Operativ auswirken dürften sich solche Schritte freilich erst im nächsten Jahrzehnt.

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