Inside: OMV
Feuer unterm Dach

Erst haben sie Pech, und dann läuft es auch nicht mehr wie geschmiert. Diesen Eindruck hinterlässt derzeit der größte mitteleuropäische Öl- und Gaserzeuger OMV. Nachdem über zwei Jahre hinweg Umsatz, Ergebnis und letztlich auch Aktienkurs der Österreicher nur einen Trend kannten – nämlich nach oben – ist darauf neuerdings kein Verlass mehr.

WIEN. Pech für das Schwergewicht der Wiener Börse, an dem der Staat noch mehr als 30 Prozent der Anteile hält, ist der sinkende Ölpreis. Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer hat diese Entwicklung zwar stets vorhergesagt, das hat aber nicht verhindert, dass sie ihre Spuren in der Bilanz hinterlässt. 20 Dollar weniger zahlt der Markt heute pro Barrel Öl als noch im Sommer. Prompt fiel das Betriebsergebnis von OMV im dritten Quartal mit 505 Millionen Euro 27 Prozent niedriger aus als in den drei Monaten zuvor. Und prompt musste der Konzern die Erwartungen an das Ergebnis für das gesamte Jahr 2006 reduzieren: Nicht mehr höher als im vergangenen Jahr soll es ausfallen, sonderen allenfalls genauso hoch.

Doch Pech ist es nicht allein, was der OMV zu schaffen macht. Das Hauptproblem sei, wie die OMV ihr Raffinerie-Problem bewältigen werde, meint Tamás Pletser, Analyst bei der österreichischen Ersten Bank. „Das hat den Investoren in den vergangenen Monaten die meisten Kopfzerbrechen bereitet.“ Die Konkurrenten MOL und PKN konnten dank starker Raffineriegewinne überraschen, die OMV hinke hier aufgrund der ineffizienten Raffinerien bei der Neuerwerbung Petrom in Rumänien hinterher. Tatsächlich sackte dort das Betriebsergebnis mit 36 Prozent noch stärker ab als beim Gesamtkonzern. Ruttenstorfer begründet das mit technischen Problemen – was nicht beruhigt, zumal er im gleichen Atemzug einräumt, dass die Intergration und Modernisierung von Petrom bis zum Jahr 2010 andauern werde. Das wären sechs Jahre und damit Rekord in einer Wirtschaft, in der andere Branchen Zukäufe und Integrationen in ein paar Monaten über die Bühne bringen.

Wie es aussieht, verheddert sich die OMV zusehends im Bemühen, Ordnung in Rumänien zu schaffen. So war Bestandteil der Petrom-Börsenstory die Aussicht, dass die Gaspreise, die in Rumänien zu erzielen sind, wegen der Konvergenzvorschriften mit der EU nach dem Beitritt Rumäniens zur Union kontinuierlich steigen. „Dieser Ankündigung kommt eine Schlüsselrolle zu, dass die OMV bei den Gewinnen positiv überraschen kann“, heiß es beispielsweise von Merrill Lynch. Die Ankündigung der ersten Gaspreiserhöhung sorgte jetzt jedoch in Rumänien für derartige Proteste, dass nicht nur OMV-Chef Ruttenstorfer nach Bukarest eilte, sondern Rumäniens Präsident Traian Basescu verkündete, dass er Petrom aufgefordert habe, die rumänischen Haushalte an den „sehr hohen“ Gewinnen aus dem Gasgeschäft zu beteiligen. Die OMV soll also die höheren Endkundenpreise subventionieren. Dass so etwas Rumäniens Verständnis von Marktwirtschaft kein gutes Zeugnis ausstellt, steht auf einem anderen Blatt. Dass es die OMV unmittelbar belastet, dürfte die Manager in Wien aber vielmehr beunruhigen.

Unklar ist auch, welche Folgen es hat, dass der Privatisierungsvertrag über den Verkauf der Petrom an die Österreicher gestern veröffentlicht wurde. Die OMV sagt, es sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Die rumänische Politik behauptet in einer aufgeheizten politischen Situation das Gegenteil.

Klar ist damit letztlich nur eins: Bei der OMV ist Feuer unterm Dach. Und das ist bei einem Konzern, der sich auf Explosives verlegt hat, mehr als gefährlich.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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