Inside: Philips
Lippenbekenntnisse

Es läuft rund bei Philips. Als das Unternehmen in der vergangenen Woche seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegte, hatte Konzernchef Gerard Kleisterlee keinen Grund sich zu verstecken: Umsatz und Ergebnis übertrafen die Erwartungen. Sein Plan, Philips auf die Säulen Gesundheit, Lifestyle und Technologie zu stellen, geht auf – zumindest auf den ersten Blick.

FRANKFURT. Ein zweiter Blick offenbart jedoch, dass Kleisterlee seine Strategie alles andere als konsequent umsetzt. Seit gut drei Jahren wird er nicht müde, den Ausbau der ertragreichen Medizintechnik-Sparte anzukündigen. Passiert ist allerdings wenig. Mit einem Umsatzanteil von gut einem Fünftel ist die Bedeutung des Geschäft mit der technischen Ausstattung von Krankenhäusern für den Konzern nicht höher als 2003.

Dabei könnte sich die Weichenstellung für das niederländische Traditionsunternehmen lohnen. Medizintechnik ist deutlich weniger anfällig für Konjunkturschwankungen als das Geschäft mit Konsumartikeln. Und dass Philips mit Medizintechnik Geld verdienen kann, hat der Konzern nicht erst im abgelaufenen Quartal gezeigt. Vor Zinsen uns Steuern (Ebit) hat Philips Medical Systems eine Umsatzrendite von 20 Prozent erzielt - klar besser als die Medizintechnik-Sparte von Siemens.

Auch die globale Entwicklung spricht für die Medizintechnik. In den kommenden Jahren werden nicht nur die Industrieländer, sondern auch Schwellenländer wie China und Indien hohe Summen in ihre Gesundheitssysteme investieren. Die einen müssen dies tun, um die Finanzierbarkeit ihres Systems durch Effizienzsteigerungen zu erhalten. Die anderen können es machen, weil das Erstarken ihrer Volkswirtschaften sie in die Lage versetzt, sich eine hochwertige medizinische Versorgung der breiten Bevölkerung zu leisten.

Angesichts dieses Marktpotenzials haben es Philips Konkurrenten nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. So erkaufte sich der US-Riese General Electric (GE) mit der Übernahme des Biopharmazie-Unternehmens Amersham einen führenden Hersteller von Kontrastmitteln und dazu die Chance auf den exklusiven Zugang zu Innovationen in der bildgebenden Diagnostik. Siemens wählte mit dem Kauf von Bayer Diagnostics und dem US-Firma DPC einen sichereren und billigeren Weg: Beide Firmen stellen Geräte für das Krankenhauslabor her.

Und Philips? Nicht, dass das Unternehmen kein Geld für Zukäufe in die Hand genommen hat. Für rund eine Mrd. Euro soll der Zulieferer Intermagnetics übernommen werden. Doch dieser Zukauf würde die Medizintechnik-Sparte nicht breiter aufstellen.

Das gilt erst recht für die rund 675 Mill. Euro teure Übernahme des britischen Babyuntensilien-Herstellers Avent, die noch in diesem Quartal über die Bühne gehen soll. Denn was mancher vorschnell als Ausbau der Medizintechnik-Sparte bewertete, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als reines Konsumgütergeschäft. Avent stellt hochpreisige Babyfläschchen und Cremes für die Windelzone her und soll folgerichtig die Sparte Haushalt& Körperpflege verstärken. Spätestens wenn der nächste Abschwung der Weltwirtschaft kommt, wird sich Philips die Frage gefallen lassen müssen., ob der Kaufpreis, der Avent immerhin mit dem vierfachen Jahresumsatz bewertet, nicht in der weniger konjunkturabhängigen Medizintechnik besser angelegt gewesen wäre.

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