Inside: RAG
Komplizierte Operation

RAG-Chef Werner Müller lässt nicht locker. An seinem Ziel, den von seinen Bergbaualtlasten befreiten Chemie-, Strom- und Immobilienkonzern im Frühjahr 2007 an die Börse zu bringen, hält er eisern fest.

HB DÜSSELDORF. Neun Monate nachdem Müller seinen Plan verkündet hat, sind große Hindernisse ausgeräumt. Die drei RAG-Aktionäre Eon, RWE und Thyssen-Krupp sehen das Vorhaben nach anfänglichen Bedenken inzwischen positiv. Die drei Konzerne haben signalisiert, ihre RAG-Aktien zum symbolischen Preis von einem Euro herzugeben. Denn ein Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der gesamte RAG-Konzern in seiner jetzigen Struktur mit dem defizitären Bergbau einerseits und den diversen Tochtergesellschaften außerhalb der Kohle andererseits einen negativen Wert hat. Das bedeutet: Weil der so genannte weiße Bereich im Moment noch für die Risiken des Steinkohlebergbaus haftet, sind die RAG-Aktien praktisch wertlos. Eon, RWE und Thyssen-Krupp müssten also keine Schadensersatzklagen ihrer eigenen Aktionäre befürchten, wenn sie ihre RAG-Aktien verschenkten.

Auch die Politik unterstützt den Börsengang. Bund und das Land Nordrhein-Westfalen, die letztlich für die Risiken des Bergbaus geradestehen, wollen sich aber zumindest einen mittelbaren Zugriff auf die künftigen Gewinne der RAG erhalten. Mit dem Erlös aus dem Börsengang der RAG sollen die Stilllegungskosten von sechs Milliarden und der Folgeaufwand von fünf Milliarden Euro finanziert werden. Die Einnahmen aus dem Börsengang gehen aber nicht an die öffentliche Hand, sondern sie sollen nach derzeitigem Stand an eine „unternehmerische Stiftung“ fließen. Diese Stiftung soll sich mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent an der neuen RAG beteiligen. Mit künftigen Dividendeneinnahmen könnte sich die Stiftung auch an den laufenden Kosten des hoch subventionierten Bergbaus beteiligen und so die öffentlichen Kassen entlasten.

Wesentliches Element der Börsen-Story der RAG ist der Spezialchemiekonzern Degussa, an dem die frühere Ruhrkohle seit dem Jahr 2003 mit 50,1 Prozent beteiligt ist. Wie es in einem Eckpunktepapier zum Börsengang der RAG heißt, will Müller bis spätestens Sommer 2006 die Degussa vollständig übernommen haben. Die Verhandlungen mit dem Eon-Konzern, der noch 43 Prozent an Degussa hält, laufen und sollen in spätestens sechs Wochen abgeschlossen sein.

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