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Rational: Dampf für die Welt

Die Krise ist jetzt auch in der Kantine angekommen: Rational, Weltmarktführer für Dampfgargeräte in Großküchen, meldet stagnierende Umsätze und schrumpfende Gewinne. Das ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, das bislang zweistellige Wachstumsraten gewohnt war.

Eine "schockartige Investitionszurückhaltung" habe den Markt einbrechen lassen, konstatierte Konzernchef Günter Blaschke jüngst. Nur 93 Millionen Euro Vorsteuergewinn werden in diesem Jahr bei einem Umsatz von 355 Millionen Euro hängen bleiben.

Rational ist ein typischer Vertreter des deutschen Maschinenbaus. Still und heimlich hat der SDax-Wert seine Position ausgebaut. Geführt wird nach eigenen Gesetzen. Das Unternehmen ist weder Mitglied im Arbeitgeberverband, noch gibt es einen Betriebsrat für die 1 100 Beschäftigten. Dafür wird nur in Deutschland produziert. Erst im Juli eröffnete Blaschke in Landsberg einen dritten Fertigungsstandort. Finanziert hat das Projekt die örtliche Sparkasse.

Dennoch hängt die weitere Zukunft von der Weltwirtschaft ab. Das Hauptprodukt, der High-Tech-Kombidämpfer für Großküchen, ist ein wahrer Beschleuniger der Globalisierung. Er kocht nach Wunsch italienisch, deutsch oder chinesisch. Drei Viertel der Geräte gehen in den Export. Rational beliefert Hotels, Fast-Food-Ketten und Kantinen ebenso wie die Bundeswehr in Afghanistan. Dort haben die Kochautomaten inzwischen die traditionelle Gulaschkanone abgelöst. Auch die Brathendl-Versorgung auf dem Oktoberfest wäre ohne die Dampfgriller nicht mehr möglich.

Der bisherige Erfolg von Rational beruht auf Tüftelei und viel Disziplin. Firmengründer Siegfried Meister experimentierte jahrelang bei der Hähnchenbraterkette Wienerwald. Es galt, Grillhitze und Wasserdampf in ein optimales Verhältnis zu bringen. 1976 machte sich Meister mit seinem Kombidämpfer selbstständig. Der Aufstieg von Rational begann.

Klassische Fehler hat Rational stets vermieden. So hielten sich die Landsberger konsequent vom Massenmarkt der Haushaltsgeräte fern. Auch Zukäufe siechender Konkurrenten hat sich Rational verkniffen. Umgekehrt weiß das Unternehmen seine Nische sehr gut zu verteidigen. Bislang ist es weder Siemens, Miele noch Electrolux gelungen, in die Domäne der Landsberger einzudringen. Rational investiert viel Geld in die Weiterentwicklung der Technik - heute ist das in erster Linie Software. Mittlerweile spielt das Internet Rezepte und Garzeiten weltweit auf die Geräte, alleine zwei Dutzend verschiedene Zubereitungsarten für Brathähnchen sind im Angebot. Der Markt ist noch lange nicht gesättigt: Neun von zehn Großküchen auf der Welt arbeiten ohne Dampfgarer.

Deshalb dürfte Rational gut durch die Krise kommen. Das Unternehmen hat mit einer Eigenkapitalquote von über 60 Prozent viel Substanz und bleibt klar fokussiert. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist ungebrochen: Konzernchef Blaschke und die Eigentümerfamilie haben den jüngsten Kurssturz genutzt und ordentlich Aktien nachgekauft.

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