Inside: Renault
Der Geist von Ghosn

Die Illusion, dass auch bei Carlos Ghosn nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, macht sich bei Renault niemand. Der neue Unternehmenschef wird wie bei Nissan auch beim französischen Autobauer knallhart durchgreifen.

FRANKFURT. Bereits die ersten Details seines Drei-Jahres-Plans, den er in zwei Wochen präsentieren wird, zeigen ganz klar, wohin die Reise unter seiner Führung geht. Rendite, Rendite, Rendite heißt sein Credo. So will Ghosn in einem ersten Schritt die einzelnen Absatzregionen zu einem Profitcenter umfunktionieren und damit mehr Transparenz in das Geschäft bringen. Die Transparenz ist dabei aber nur das Werkzeug. Sie dient einzig dem Ziel, Schwächen deutlicher hervortreten zu lassen, um schnell und massiv gegensteuern zu können. Weder Regionen noch einzelne Sparten oder Baureihen, die Verluste produzieren, wird der im Libanon geborene Kosmopolit akzeptieren. Dauerhafte Quersubventionen, nur um in einer Fahrzeugklasse oder in einem Land präsent zu sein, werden bei Renault der Vergangenheit angehören.

Dabei geht es Ghosn nicht darum, ein chronisch kriselndes Unternehmen, wie zuvor Nissan zu retten. Gleichwohl muss Renault aufpassen, den in den vergangenen Jahren mühsam erarbeiteten Erfolg nicht aufs Spiel zu setzen. Das ursprünglich für das vergangene Jahr angepeilte Renditeziel mussten die Franzosen bereits im November nach unten korrigieren. Konnten sie sich in den vergangenen Jahren vor allem durch ein auffälliges Design von der Konkurrenz absetzen, ziehen die Wettbewerber nun zunehmend mit ebenfalls extravagant gestylten Autos nach.

Außerdem war der Aufstieg von Renault und auch des französischen Wettbewerbers Peugeot-Citroën zuletzt untrennbar verbunden mit der Schwäche der deutschen Anbieter. Wer Opel und Ford den Rücken gekehrt hatte, wem VW zu teuer war, der schaute bei den Händlern der Franzosen vorbei. Doch Opel und Ford haben den tiefsten Punkt in Europa hinter sich gelassen, bei VW in Wolfsburg arbeitet Sanierer Wolfgang Bernhard fieberhaft daran, die Kosten zu drücken, um auch wieder mehr Spielraum bei den Verkaufspreisen zu bekommen. Die Strategie für den Weg aus dem Tal führte bei allen über eine Senkung der Personalzahlen.

An einem Arbeitsplatzabbau wird auch Renault nicht vorbei kommen. Und Ghosn ist nicht gerade dafür bekannt, zurückhaltend zu agieren. Dem Rotstift könnte bis zu einem Zehntel der Belegschaft zum Opfer fallen, schätzen Analysten.

Doch Ghosn ist Realist. Renditen von um die zehn Prozent wie zuletzt bei Nissan wird er bei Renault in den kommenden Jahren nicht erreichen. Dazu müssten die Franzosen erstens mit Erfolg auf den US-Markt zurückkehren und zweitens in der automobilen Oberklasse Fuß fassen. Beides Projekte, die angesichts der Probleme auf den Stammmärkten – selbst in Frankreich gingen die Marktanteile zuletzt zurück – keine oberste Priorität bei dem kühlen Rechner genießen werden. Ghosn, der mit der Nissan-Marke Infiniti in den USA bereits gegen BMW, Mercedes und Audi agiert, weiß, wie teuer so ein Schritt ist. Vor allem wird Ghosn verlangen, dass Renault das Geld für die Expansion zuvor selbst verdient. Rendite als Voraussetzung zu noch mehr Rendite. Nissan zeigt den Weg.

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