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Rheimetall: Berechtigte Forderung

Der Schock sitzt den Rheinmetall-Aktionären noch immer in den Gliedern. Denn wie sie am letzten Freitag, also nur vier Tage vor der heute in Berlin stattfindenden Hauptversammlung, erfahren mussten, belastet die Krise in der Automobilbranche den Düsseldorfer Zulieferer und Rüstungskonzern stärker als bislang gedacht.

Wie das MDax-Unternehmen am Wochenende bekanntgab, schreibt Rheinmetall zum ersten Mal seit zehn Jahren rote Zahlen. Der Kurs brach daraufhin um bis zu acht Prozent ein.

Das ist aber nicht die eigentliche schlechte Nachricht. Schließlich hatte Vorstandschef Klaus Eberhardt seine Eigentümer bereits Ende März auf einen Quartalsverlust auf Konzernebene eingestimmt. Aber damals ging der Manager offensichtlich noch davon aus, dass Rheinmetall dank der steigenden Erträge seiner hochprofitablen Rüstungssparte im Gesamtjahr ein „respektables“ Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwirtschaften werde. Ein exakte Prognose lehnte er allerdings ab.

Nach dem endgültigen Resultat für die ersten drei Monate muss Eberhardt aber eingestehen: 2009 wird Rheinmetall nur mit Mühe ein leicht positives Konzernergebnis erzielen. Der jetzt konkretisierten Ergebnisplanung liegt ein Ebit von 190 Millionen Euro aus dem Geschäft mit Waffen, Munition und gepanzerten Fahrzeugen zugrunde. Dem steht allerdings ein voraussichtlicher operativer Verlust von 80 Millionen Euro im Geschäft mit Kolben und Motorblöcken gegenüber. Zusätzlich muss der Konzern jedoch einen außerordentlichen Aufwand von 100 Millionen Euro verkraften, mit dem notwendige Kapazitätsanpassungen, Restrukturierungsmaßnahmen und Sonderabschreibungen finanziert werden. Hinzu kommt: Frühestens im Jahr 2010 erwartet Rheinmetall eine Trendwende im Autozuliefergeschäft. Und wann der Konzern den für dieses Jahr erwarteten Umsatzeinbruch von fast 25 Prozent oder insgesamt 500 Millionen Euro wieder aufgeholt hat, steht in den Sternen.

Ob Eberhardt will oder nicht: Die Diskussion darüber, ob Rheinmetall nicht besser aus dem kriselnden Autozuliefergeschäft aussteigt, statt sich auch in Zukunft mit vergleichsweise mageren Renditen trotz hoher Investitionen zufriedenzugeben, wird eher früher als später wieder losgehen. Bisher lauteten Eberhardts Gegenargumente: Als Konzern, der auf zwei stabilen Säulen steht, verfüge Rheinmetall über die notwendige Stabilität, um auch eine längere Krise zu meistern. Außerdem habe man die richtigen Produkte, um beim Aufschwung ganz vorn mit dabei zu sein.

Das mag sein. Doch nur wenn es dem Management weiterhin gelingt, die Investoren von der Überlegenheit der Zwei-Säulen-Struktur zu überzeugen, kann es die berechtigte Forderung nach einer Aufspaltung abwehren. Denn auch nach dem kräftigen Kursanstieg der Rheinmetall-Aktie von 25 Prozent seit Jahresbeginn gilt: Bei einem Börsenwert von nur 1,06 Milliarden Euro und ohne schützenden Großaktionär wäre Rheinmetall ein lukratives Angriffsziel.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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