Inside: Rodenstock
Gefährliches Tempo

Der Brillenhersteller Rodenstock war 125 Jahre lang in Familienbesitz, stets stand ein Rodenstock an der Spitze der Münchener Firma. 2003 war Schluss mit der Erbfolge. Drei Monate nach der Jubiläumsfeier verkaufte Randolf Rodenstock sein Unternehmen an den Finanzinvestor Permira. Nun dreht sich das Personalkarussell weiter. Die neue Expansionsstrategie.

MÜNCHEN. Wie die "Honigbienen" habe die Beteiligungsgesellschaft das Traditionsunternehmen danach aufgepäppelt, lobte Randolf Rodenstock Permira zwei Jahre später. Von den gefräßigen "Heuschrecken", vor denen der SPD -Politiker Franz Müntefering zu jener Zeit warnte, sei jedenfalls nichts zu spüren, meinte Rodenstock damals.

Inzwischen hat sich Permira längst wieder verabschiedet und den Brillenspezialisten im vergangenen Frühjahr an das Private-Equity-Haus Bridgepoint weiter verkauft. Doch auf die Briten dürfte derzeit wohl eher das Bild der "Killerbienen" zutreffen - zumindest aus Sicht des am Freitag gefeuerten Unternehmenschefs Giancarlo Galli.

Der Schweizer musste gehen, weil den Eigentümern die Expansion in neue Märkte und in fremde Länder nicht schnell genug voran ging. Und weil Galli offenbar so seine persönlichen Probleme mit den Chefs von Bridgepoint hat. Permira hatte den Manager 2003 als Nachfolger von Randolf Rodenstock an Bord geholt.

Der international erfahrene Galli hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren ausgesprochen behutsam weiter entwickelt. Der Manager hat mit Sport- und Lesebrillen sowie innovativen Gleitsichtgläsern viele Neuheiten auf den Markt gebracht. Zudem verstärkte Rodenstock das Geschäft in Asien. Auch das Umsatzplus fiel mit sieben Prozent im vergangenen Jahr nicht schlecht aus. Zum Vergleich: Die gesamte augenoptische Industrie in Deutschland legte lediglich um 2,4 Prozent zu. Zudem schrieb die Firma zum ersten Mal seit Jahren keine roten Zahlen mehr.

Allerdings: Im internationalen Vergleich ist Rodenstock mit Erlösen von 400 Millionen Euro nach wie vor ein Zwerg. Konkurrenten wie Luxottica, Safilo oder Essilor sind deutlich größer und expandieren kräftig - oft durch Akquisitionen.

Übergangsweise wird in den kommenden Monaten der ehemalige Boss-Chef Peter Littmann die Geschäfte führen. Seine Aufgabe ist klar: Rodenstock muss einen Gang zulegen, muss in Wachstumsmärkten wie China mehr verkaufen und dazu noch über neue Sortimente weitere Zielgruppen erschließen. Bridgepoint braucht kräftiges Wachstum, um das bayerische Unternehmen eines nicht allzu fernen Tages wieder gewinnbringend abstoßen zu können.

Wie die neue Expansionsstrategie aussehen wird, ist noch völlig offen. Rodenstock ist zwar in Deutschland ein guter Name, jenseits der Grenzen dagegen viel weniger bekannt. Ex-Chef Galli wollte das ändern, Schritt für Schritt und mit Bedacht, wie das im deutschen Mittelstand so üblich ist.

Bridgepoint dagegen drückt jetzt massiv aufs Tempo. Ob das gut geht? Die nächsten Monate werden spannend bei Rodenstock.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%