Inside: RWE
Umbau ohne Brechstange

Frischer Wind in Essen: RWE bekommt nach einem neuen Chef auch eine neue Struktur ? ein neues Unternehmen wird es dadurch aber nicht. Das liegt weniger an der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit von Jürgen Großmann als vielmehr an den besonderen Verhältnissen bei RWE ? das komplexe Machtgefüge des Energieunternehmens.

DÜSSELDORF. Jürgen Großmann legt zwar ein hohes Tempo vor und hat jetzt den Vorstand neu aufgestellt. So radikal, wie er den Energiekonzern gerne umbauen möchte, kann er zunächst aber nicht zu Werke gehen. Das liegt nicht an einer mangelnden Durchsetzungsfähigkeit, sondern an den besonderen Verhältnissen bei RWE: Wie in kaum einem zweiten Unternehmen gilt es, Standortinteressen zu wahren und auf die Befindlichkeiten von Anteilseignern, Bürgermeistern und Gewerkschaften Rücksicht zu nehmen. Daran hat sich auch unter dem neuen Chef nichts geändert.

Großmann hat schon vor seinem offiziellen Amtsantritt begonnen, die bisherige Struktur des Unternehmens ausführlich und mit externer Hilfe zu analysieren und zu bewerten. Kernfrage: Machen die beiden Zwischenholdings RWE Power, für die Kraftwerke verantwortlich, und RWE Energy, für den Vertrieb zuständig, noch Sinn? Großmanns Vorgänger Harry Roels hatte Power und Energy gegründet und deren Vorstandsvorsitzenden in Personalunion zu Mitgliedern des Zentralvorstands gemacht.

Das Urteil des neuen Chefs, der als Eigentümer des niedersächsischen Stahlproduzenten Georgsmarienhütte erklärtermaßen mittelständisches Denken in den Großkonzern bringen will, ist eindeutig: Er hält nichts von der bisherigen Struktur, würde die beiden Töchter am liebsten komplett auflösen. Er sieht Doppelfunktionen und komplizierte Entscheidungswege. Insbesondere die Vertriebstochter, die zwischen die Zentrale und den zahlreichen Regionalversorgern geschaltet ist, arbeitet ineffizient. Viele Aufgaben könnten vor Ort, viele auf oberster Ebene besser erledigt werden.

Trotzdem geht Großmann nicht mit der Brechstange vor, lässt Energy und Power als rechtliche Einheiten zunächst bestehen. Er zieht zwar Funktionen wie Kommunikation, Recht oder Unternehmensentwicklung in den RWE Tower in Essen, wertet die beiden Töchter zudem ab, indem deren Chefs künftig nicht mehr im Zentralvorstand sitzen. Stattdessen schafft er die neue Funktion des Chief Operating Officers (COO), der das operative Geschäft überwachen soll. An eine komplette Auflösung traut sich Großmann zunächst aber nicht.

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