Inside: RWE
Weg mit dem Konzernspeck

Das Ziel ist klar, der Weg dorthin jedoch ungewiss: RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann möchte den Energiekonzern straffen und effizienter machen. Dies kann größtenteils nur auf Kosten der Tochtergesellschaften geschehen. Großmann muss dabei allerdings Hartnäckigkeit beweisen, zumindest, wenn er die Fehler seiner Vorgänger nachhaltig ausbügeln will.

DÜSSELDORF. Der Name des Projekts gibt ein ambitioniertes Ziel vor: Eine „Neue RWE“ will Vorstandschef Jürgen Großmann schaffen. So lautet der Arbeitsauftrag an ein Projektteam, das die Organisation von Grund auf durchleuchten soll, um Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern effizienter zu organisieren. Großmann hatte viel Zeit, sich die alte RWE anzuschauen. Dabei ist er auf ein Kernproblem gestoßen: RWE ist zu schwerfällig. Das Prinzip der neuen RWE ist daher vorgegeben: RWE wird straffer von der Zentrale aus geführt, mittelständisches Denken soll umständliche Konzernstrukturen ablösen. Spannend bleibt, wie weit der Vorstandschef auf diesem Weg gehen wird, welche Tochtergesellschaften Kompetenzen verlieren, welche sogar aufgelöst werden.

RWE hat bewegte Jahre hinter sich. Einer von Großmanns Vorvorgängern, Dietmar Kuhnt, verfolgte ein Konzept, das Multi-Utility hieß, und sich inzwischen als teurer Fehler herausgestellt hat. Kuhnt wollte RWE zum Rundumversorger machen, der seine Kunden neben Strom und Gas auch mit Wasser beliefert und sich um die Entsorgung kümmert. Bei den Kunden kam das Vertriebskonzept freilich nicht an, noch dazu lassen sich mit Wasser und Müll nicht annähernd so hohe Renditen erwirtschaften wie mit Energie. Nachfolger Harry Roels musste viel Kraft aufwenden, um den strategischen Fehler zu beheben und der verschuldeten RWE wieder Luft für Investitionen zu verschaffen. Der Niederländer werkelte zwar auch an der Konzernstruktur herum, im Prinzip blieb sie aber erhalten: Unter dem Dach der Holding ist RWE mit ihren 70 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 44 Milliarden Euro nach operativen Sparten in sieben Zwischenholdings organisiert.

Vieles, was in den Zwischenholdings zum Teil parallel erledigt wird, lässt sich besser gebündelt in der Zentrale managen. Andere Aufgaben sind besser direkt vor Ort, in den Regionalgesellschaften aufgehoben – also enger beim Kunden. In der „Neuen RWE“ sollen Doppelarbeiten vermieden werden und Verantwortlichkeiten besser zugeordnet sein, die Entscheidungen sollen schneller und effizienter werden.

Die ersten Schritte hat Großmann bereits eingeleitet. Der Konzernvorstand ist jetzt stärker für das operative Geschäft verantwortlich, mit Ulrich Jobs hat er einen Chief Operating Officer eingeführt. Die Zusammenlegung der beiden Sparten Trading und Gas Midstream ist bereits beschlossen. Systems wird zerlegt, die IT-Sparte, die Konzernrevision und die Beratungsaktivitäten werden direkt dem Konzernvorstand zugeordnet.

So weit, so gut: Unklar ist aber noch, welche Kompetenzen die beiden bislang wichtigsten Zwischenholdings Energy und Power behalten werden. Kommunikation, Recht und Unternehmensentwicklung stehen schon auf dem Prüfstand. Auch die weiteren Funktionen der Zentrale und der Regionalgesellschaften sind zu regeln. Da muss Großmann Fingerspitzengefühl beweisen. Belegschaften und kommunale Aktionäre positionieren sich schon, um Standortinteressen zu wahren.

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