Inside: Salzgitter
Alles richtig gemacht

Es gibt viele Schüler, die den Lehrer übertreffen. Tochterfirmen, die das Potential haben, ihre Konzernmütter aus dem DAX zu verdrängen, finden sich eher selten. Genau dies kann nun jedoch im Fall des zweitgrößten deutschen Stahlherstellers Salzgitter im Bezug auf die ehemalige Preussag und heutige Tui passieren.

DÜSSELDORF. Als Salzgitter noch Preussag Stahl hieß und eine Tochter des Mischkonzerns Preussag aus Hannover war, nahm von dem niedersächsischen Unternehmen kaum jemand Notiz. Erstmals in die bundesweiten Schlagzeilen kam der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller, als Preussag 1998 das neue Kerngeschäftsfeld Touristik für sich entdeckte und die Stahltochter an einen ausländischen Konkurrenten verkaufen wollte. In letzter Minute durchkreuzte der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Gerhard Schröder, den Plan und überführte Preussag Stahl in Staatsbesitz. Für 1,2 Milliarden Mark nahmen das Land Niedersachsen und seine Landesbank NordLB der Preussag die ungeliebte Tochter ab.

Aus heutiger Sicht ein echtes Schnäppchen. Denn wenig später kam Salzgitter an die Börse und gehört heute mit einem Marktwert von neun Milliarden Euro zu den aussichtsreichen Anwärtern für den Aufstieg in die Erste Bundesliga: den Deutschen Aktienindex Dax. Und wenn es ganz schlecht läuft für die jetzt unter dem Namen Tui firmierende einstige Konzernmutter, dann könnte ausgerechnet Salzgitter Tui dort ersetzen.

Natürlich hat die seit fünf Jahren boomende Stahlkonjunktur maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Salzgitter-Aktie so glänzend entwickelt hat. Aber auffällig ist schon, dass die Aktien des im Weltmaßstab eher unbedeutenden niedersächsischen Stahlproduzenten gerade in jüngster Zeit deutlich besser abschneiden als die Anteilsscheine erheblich größerer Konkurrenten.

Branchenprimus Arcelor Mittal beispielsweise, ein global agierender Konzern und mit 70 Milliarden Euro Umsatz achtmal so groß wie Salzgitter, brachte seit Anfang März nur ein bescheidenes Kursplus von sieben Prozent zu Stande. Der Salzgitter-Kurs dagegen schoss im selben Zeitraum um mehr als 50 Prozent in die Höhe. Der Grund dafür ist nicht etwa eine akute Übernahmegefahr. Auch bei einer fortschreitenden Konsolidierung in der Branche wäre die Festung Salzgitter kaum zu stürmen. Das Land Niedersachsen hält eine Sperrminorität von 25,2 Prozent, zudem hält der Konzern zehn Prozent eigene Aktien. Und egal, wer die Landtagswahlen 2008 gewinnt: Weder CDU noch SPD werden das Salzgitter-Paket verkaufen.

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