Inside: Sanofi
Ein Fragezeichen weniger

Ein amerikanischer Bundesrichter hat die Pharmahersteller Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb (BMS) am Dienstag von einem gewichtigen Risikofaktor befreit. Er bestätigte das US-Patent auf das Herzkreislauf-Medikament Plavix, das immerhin fast sechs Milliarden Dollar in die Kassen der Konzerne spült. Zugleich gewinnt für den Pariser Konzern indessen eine ganz andere Frage an Brisanz.

FRANKFURT. Vor allem das Geschäft des US-Konzerns Bristol-Myers Squibb, der etwa ein Viertel seines Umsatzes mit dem Blutverdünner bestreitet, ist mit der Bestätigung des US-Patents wesentlich berechenbarer geworden. Und auch für den Lizenzgeber Sanofi-Aventis ist das Urteil ein sehr wichtiger Erfolg.

Bei Sanofi gewinnt indes die Frage an Brisanz, ob man nun versuchen solte, den amerikanischen Partner BMS zu übernehmen? Die Idee beschäftigt Analysten und Investmentbanker – und wohl auch die Strategen in der Sanofi-Zentrale – inzwischen seit fast einem Jahr.

Eine Entscheidung darüber ist nicht unbedingt leichter geworden, da das Plavix-Urteil die Bewertung von Bristol-Myers weiter nach oben getrieben hat, auf mittlerweile gut 62 Milliarden Dollar. Aber zumindest können Sanofi-Chef Gerard Le Fur und sein ehrgeiziger Aufsichtsratsvorsitzender Jean-Francois Dehecq einen möglichen Deal nun mit einer Unbekannten weniger durchkalkulieren.

Und BMS mit einem intakten Plavix-Geschäft erscheint prinzipiell als attraktives Ziel, mit dem Sanofi-Aventis aktuelle Schwächen kompensieren könnte. Nachdem der einstige Hoffnungsträger Acomplia abermals im US-Zulassungsverfahren gescheitert ist, steht der französische Konzern in punkto Neuentwicklungen derzeit mit relativ leeren Händen da. Zwei seiner wichtigen Produkte, das Krebsmittel Taxotere und das Schlafmittel Ambien, dürften in näherer Zukunft eine starke Generika-Konkurrenz erhalten. Gleichzeitig werden etliche ältere patentfreie Produkte in Europa unter einen verschärften Preisdruck geraten.

Mit BMS könnte sich Sanofi-Aventis mehrere interessante und relativ marktnahe Neuentwicklungen einverleiben und gleichzeitig die Präsenz in den USA stärken. BMS-Produkte im Bereich Krebs, Herzkreislauf und Diabetes würden das Sanofi-Programm gut ergänzen.

Natürlich bleiben Unwägbarkeiten. Dazu gehören die Unternehmenskulturen diesseits und jenseits des Atlantiks. Auch die Tatsache, dass BMS noch vor kurzem umfangreiche Kooperationen mit Pfizer und Astra-Zeneca besiegelte, macht die Situation nicht einfacher. Und so ist die Gefahr groß, dass ein Vorstoß andere Bieter auf den Plan rufen könnte.

Auch finanziell wäre ein solcher Deal ohne Zweifel ein beachtlicher Kraftakt, insbesondere, wenn man eine reine Cash-Offerte unterstellt. Erstmals würde daraus ein Pharma-Großkonzern mit massiver Verschuldung entstehen, da Sanofi Fremdkapital in starkem Umfang aufnehmen müsste – ein bislang noch fast unbekanntes Phänomen in dieser Industrie.

Andererseits ist die Finanzkraft des Pharmageschäfts nicht zu unterschätzen. BMS, ein Konzern mit rund 18 Milliarden Dollar Umsatz, verbuchte in den letzten beiden Jahren zwar heftige Ertragseinbußen. Aber nach der erfolgreichen Verteidigung von Plavix wird sich die Situation verbessern. Schon in der heutigen Struktur dürfte der US-Konzern in der Lage sein, gut drei Milliarden Dollar freien operativen Cash Flow zu generieren – unter aktuellen Kapitalmarkt-Bedingungen genug, um eine Offerte jenseits von 60 Milliarden Dollar zu finanzieren.

Hinzu kommen möglicherweise erhebliche Synergien. Legt man Erfahrungen aus anderen Pharma-Fusionen zu Grunde, kann Dehecq ohne weiteres auf Einsparungen von bis zu fünf Prozent der gemeinsamen Kostenbasis hoffen – das wären gut zwei Milliarden Dollar. Das heißt, an den Finanzen müsste eine Offerte von mehr als 70 Milliarden Dollar (über 35 Dollar je Aktie) nicht scheitern. Vielleicht sollte er einen Versuch wagen.

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