Inside: Schwarz Pharma
Eine attraktive Braut

Der Medikamentenhersteller Schwarz-Pharma hat in der Vergangenheit viele kritsche Zeiten durchlebt. Mittlerweile steht das Monheimer Unternehmen wieder auf gesunden Beinen. Mit knapp einer Milliarde Euro Umsatz wird das Unternehmen jedoch auf längere Sicht einfach zu klein sein.

DÜSSELDORF. Die Hauptversammlung des Monheimer Medikamentenherstellers Schwarz-Pharma läuft ab wie ein Familientreffen. Alles ist sehr übersichtlich. Das verwundert nicht, besitzt doch die Gründerfamilie Schwarz 61 Prozent des M-Dax-Unternehmens. Firmengründer Rolf Schwarz-Schütte, 85, sitzt bei solchen Treffen in der ersten Reihe des Auditoriums und wird mit warmem Beifall begrüßt. Das Unternehmen, das mit einem guten Ausblick seine 60-jährige Vergangenheit am „Tag der Arbeit“ feierte, hat auch schon andere, kritischere Zeiten erlebt. Weil es aber mit der Entwicklung neuer Produkte zuletzt so gut geklappt hat, ist der Kurs der Aktie kräftig gestiegen. Gründer–Sohn und Vorstandschef Patrick Schwarz-Schütte hat die Aktionäre zudem von der guten Situation so überzeugt, dass der Aktienkurs am Tag der Hauptversammlung auf das Allzeithoch von fast 72 Euro kletterte. Dabei beträgt die Dividendenrendite nicht einmal 0,3 Prozent. Wahrscheinlich ging es bei der Ausschüttung von 20 Cent je Anteilschein lediglich darum, etwas zum Lebensunterhalt der Familienmitglieder beizutragen. Zwar ist der Umsatz im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Der Konzernverlust von 54 Millionen Euro nach Steuern – verursacht durch höhere Steuern und hohe Vorleistungen für neue Produkte – macht sich dagegen nicht so gut. Da aber das Unternehmen zugleich über liquide Mittel von rund 200 Millionen Euro verfügt, die Eigenkapitalquote wieder leicht auf beachtliche 57,4 Prozent und die Zahl der Mitarbeiter um knapp 200 auf 4 100 gestiegen ist, waren die Aktionäre dennoch rundum zufrieden.

Ihre Treue zur Aktie ist durchaus von Bedeutung. Denn die Konsolidierungswelle in der Pharma-Industrie macht weitere Akquisitionen wahrscheinlich. Dabei könnte der Spezialist für Medikamente gegen Krankheiten des vegetativen Nervensystems ein attraktives Objekt sein. Freilich: Der hohe Anteil des Gründerclans bietet eine gewisse Gewähr, dass Schwarz seine Eigenständigkeit wahren kann.

Mit knapp einer Milliarde Euro Umsatz wird das Unternehmen jedoch auf längere Sicht einfach zu klein sein. Könnte beispielsweise Pfizer Gefallen an der Monheimer Familien-AG finden? Mit dem US-Pharmariesen kam kürzlich ein interessantes Abkommen zu Stande: Ein lange schwelender Rechtsstreit endete mit einem weltweit gültigen Vertrag über die Rechte am Blasen-Wirkstoff Fesoterodin.

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