Inside: Scottish Power
Die Phantasie bleibt

Vorweihnachtliche Ruhe ist eingekehrt bei Scottish Power. Seit sich Eon im November nach fruchtlosen Übernahmegesprächen von dem schottischen Energieversorger zurückgezogen hat, kann sich dessen Management wieder stärker auf interne Themen konzentrieren.

HB LONDON. Doch wer einmal Partei in Übernahmegesprächen war, bleibt auf der Liste der Kandidaten. Das ist auch bei den Schotten nicht anders. Dafür gibt es gute Gründe.

Zum einen portioniert sich Scottish Power mit dem vereinbarten Verkauf der US-Tochter Pacificorp für rund 7,5 Milliarden Euro freiwillig zu einem kleineren Happen. 15 Milliarden Euro Börsenwert könnten die großen Spieler der Versorgerbranche locker verkraften.

Die Aktionäre von Scottish Power werden einer Übernahme nicht abgeneigt sein; denn viel Wachstumsphantasie bietet die Aktie nicht. Das Management will rund die Hälfte des Verkaufserlöses an die Anteilseigner ausschütten. Ambitionen für eigene Zukäufe hat es nicht erkennen lassen. Statt dessen legte es ein Programm auf, um die Kosten um 90 Millionen. Euro im Jahr zu senken.

Zum zweiten haben die monatelangen Diskussionen um eine Übernahme von Scottish Power die Position der britischen Aufsichtsbehörden sichtbar werden lassen. Noch eine Übernahme auf dem britischen Strom- und Gasmarkt würde von Kartellbehörde, Regierung und Energieregulierer offenbar akzeptiert, jede weitere wäre problematisch. Sechs Versorger gibt es derzeit in Großbritannien, darunter Eon, RWE und EdF als europäische Schwergewichte, Centrica als Ex-Gas-Monopolist und die beiden schottischen Anbieter Scottish Power und Scottish & Southern.

Damit liegt die Variante nahe, dass einer der englischen Anbieter einen der schottischen kauft. Auf den weniger offenen Märkten des Kontinents gibt es kaum Kaufgelegenheiten. Das macht die womöglich letzte Chance auf dem liberalen britischen Markt attraktiv. Auch Energieunternehmen, die in Großbritannien noch nicht vertreten sind, werfen ein Auge auf den Markt. So hat die schwedische Vattenfall Medienberichten zufolge Berater mit der Suche nach britischen Kaufzielen beauftragt.

Solche Spekulationen sorgen dafür, dass der Aktienkurs von Scottish Power nach dem Ende der Gespräche mit Eon längst nicht so abgestürzt ist, wie zu erwarten gewesen wäre. Er liegt derzeit zwar um acht Prozent unter dem Jahreshoch von Anfang Oktober, aber noch immer zehn Prozent über dem Kurs vor Beginn der Spekulationen Ende August und um fast ein Drittel über Jahresanfang. Damit hat sich die Aktie weit besser entwickelt als die der anderen beiden britischen Versorger: Scottish & Southern Energy stiegen mit dem FTSE-100-Index um 15 Prozent, Centrica nur um zwei Prozent.

Sicher, Scottish Power ist nach wie vor kein Sonderangebot, bleibt aber ein verlockendes Ziel. Und Eon kann sich mit einem zweiten Vorstoß Zeit lassen. Denn der Verkauf von Pacificorp wird bis weit ins Jahr 2006 dauern.

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