Inside: Scottish & Newcastle: Die russische Karte

Inside: Scottish & Newcastle
Die russische Karte

LONDON. Menschlich ist ja verständlich, dass Scottish & Newcastle sauer ist auf den langjährigen Joint-Venture-Partner Carlsberg. Die dänische Braugruppe hat die Briten überrumpelt, als sie sich im Oktober mit der niederländischen Heineken zusammentat. Gemeinsam wollen die Brauriesen S&N filetieren. Noch dazu platzte ihr Überraschungsangriff mitten in einem Führungswechsel bei S&N. Doch das Mitleid der Anteilseigner ist kurzlebiger als der Zorn der S&N-Führung. So üben nun die ersten Aktionäre Druck auf das Management aus. Es solle seinen Stolz schlucken und sich ernsthaft mit einem Kaufangebot auseinander setzen. Die S&N-Eigner fürchten, dass ihnen eine gute Verkaufsgelegenheit entgehen könnte.

Bis zum 21. Januar hat der Übernahme-Ausschuss der britischen Wirtschaft Carlsberg und Heineken noch Zeit für eine formelle Offerte gegeben. Bisher liegt nur eine unverbindliche Offerte auf dem Tisch, die S&N mit 750 Pence je Aktie bewertet. Der Preis von umgerechnet 9,7 Milliarden Euro bedeutete eine Prämie von 40 Prozent auf den Aktienkurs vor Beginn der Übernahmespekulation. Bezogen auf das operative Ergebnis (Ebitda) für 2006 bietet das Duo das 13,6-Fache – durchaus im branchenüblichen Rahmen. Nüchtern betrachtet, wäre das eine Verhandlungsbasis.

Nicht für die S&N-Führung. Sie hat sich in ihre Stellung eingegraben und lehnt Gespräche über ein solches oder ein nur geringfügig erhöhtes Angebot ab. Sie konzentriert sich in der Abwehr ganz auf das Thema Vertrauensbruch. Carlsberg habe mit dem Versuch, S&N zu übernehmen und zu zerschlagen, den Joint-Venture-Vertrag für den russischen Brauer BBH verletzt, an dem S&N und Carlsberg je die Hälfte halten. Darum hätten die Briten nun das Recht, die andere Hälfte an BBH zu einer „fairen Marktbewertung“ zu übernehmen, argumentiert S&N vor einem schwedischen Schiedsgericht. Dieses will im Juli entscheiden, und S&N gibt sich siegessicher. Der volle Besitz der führenden russischen Braugruppe werde ab 2010 Synergien von 100 Millionen Pfund (134 Millionen Euro) im Jahr bringen. Darum lohne es sich für die Anleger, abzuwarten. Carlsberg bezeichnet die Klage der Briten als aussichtslos. Doch was sollen die Angreifer tun? Sie können entweder abwarten, wie das Gericht entscheidet, und dann ein neues Angebot vorlegen. Das birgt die Chance, billiger zum Zug zu kommen, aber das Risiko, das Juwel BBH zu verlieren. Oder aber sie beißen die Zähne zusammen und erhöhen ihre Offerte kräftig. Damit könnten sie sich BBH sichern, aber auf die Gefahr hin, für die wachstumsschwächeren westeuropäischen Assets von S&N viel zu viel zu bezahlen.

S&N jedenfalls muss eine konstruktive Haltung einnehmen. Die Konsolidierung der Braubranche wird weitergehen und die Briten sind darin mangels Finanzkraft und starker Großaktionäre eher Gejagte als Jäger. Der Streit um BBH wird Gegenbieter abschrecken. Also: Ran an den Verhandlungstisch! heilmann@handelsblatt.com

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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