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Siemens: Falsch verbunden

Soll niemand sagen, Siemens habe dereinst keine guten Handys gebaut. Den unverwüstlichen Knochen S10 - eines der ersten Mobiltelefone mit einer Art Farbdisplay - hat so mancher Liebhaber noch heute im Einsatz.

Auch der Slider SL10 - auf den Markt gebracht Jahre, lange bevor solche Geräte modern wurden und daher ziemlich erfolglos - und das praktische S35 haben Kultstatus.

Dennoch dürfte Siemens heilfroh sein, dass mit einer Zahlung von netto 255 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter von BenQ Mobile das insgesamt unrühmliche Handykapitel nun endgültig abgeschlossen ist. Der Konzern hat seine Lehren daraus gezogen: Das Geschäft mit den Endkunden ist einfach nicht das Ding von Siemens. Daher hat Siemens inzwischen auch seine Gigaset-Schnurlostelefone und die Beteiligung am Computerhersteller Fujitsu Siemens losgeschlagen.

Täglich mehr als eine Million Euro Verlust hatte Siemens mit seinen Handys gemacht, als Vorstandschef Klaus Kleinfeld 2005 die Reißleine zog. Doch die Trennung kam den Konzern noch einmal teuer zu stehen. Eine Gesamtsumme will Siemens zwar nicht nennen. Ein wenig weiter hilft der Geschäftsbericht. 2006 werden hier Belastungen von 546 Millionen Euro vor Steuern aufgelistet. Davon sind 133 Millionen "verkaufsbezogene Aufwendungen". Dahinter verbirgt sich zum Beispiel die Anpassung von Fertigungslinien, die Siemens finanzierte. Zudem flossen 413 Millionen als eine Art negativer Kaufpreis direkt an den taiwanesischen BenQ-Konzern. Der allerdings zeigte sich nicht sehr dankbar für die Mitgift und drehte seiner deutschen Tochter nur ein Jahr nach der Übernahme den Geldhahn zu. Nach der Pleite von BenQ Mobile waren die Proteste in Deutschland so stark, dass Siemens bis zu 100 Millionen Euro in die Beschäftigungsgesellschaften einzahlte. Nun also musste Siemens auch noch Forderungen des Insolvenzverwalters begleichen. Damit kommen die Kosten der Trennung nah an eine Milliarde Euro heran.

Ein bitteres Ende, zumal die Handys lange Prestigeobjekte waren. Unter Ex-Chef Heinrich von Pierer gab es kaum eine Pressekonferenz oder Hauptversammlung, auf der er nicht ein Telefon werbend in die Luft hielt. In Deutschland war der Konzern lange Marktführer. Um auch im Ausland an die Branchenriesen Nokia und Motorola heranzurücken, warb Siemens sogar auf den Trikots der Fußballer von Real Madrid.

Geholfen hat das wenig. Siemens ist seit jeher eine technikgetriebene Firma mit wenig Gefühl für Vertrieb und Marketing. Im extrem schnelllebigen Handy-Geschäft kamen die Siemens-Modelle viel zu spät auf den Markt. In aller Ruhe entwickelte der Konzern Neuheiten zu Ende, bis sie technisch ausgereift waren. Während Siemens so neue Trends wie Foto- und Klapphandys verschlief, warfen die Konkurrenten oft nur halbfertige Produkte auf den Markt, die sich aber trotzdem blendend verkauften. Siemens tut gut daran, sich wieder voll auf seine eigentliche Stärken zu konzentrieren.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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